In Hamburg

Schon erstaunlich wie schnell die Fahrt nach Hamburg ging: Hab kaum einen Artikel in der Zeit gelesen, schon erreichte der ICE die Hansestadt. Ich schaute aber auch lange aus dem Fenster, verplemperte also Zeit anstatt sie zu lesen. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts. Wir schwammen durchs Gewusel und gelangten ans Licht. Bestes Wetter, herrlich warm – Hamburg zeigte sich von seiner schönsten Seite, nur die vielen Baukräne störten das Bild.

Koffein im Blanco Coffee

Freitag, der letzte Julitag. Uns blieben zwei Stunden, um durch St. Georg zu streifen und die Lange Reihe entlang zu flanieren. Späte Kaffeepause im «Blanco Coffee» (Instagram), mit Glück einen Tisch ergattert, direkt an der Straße. Busse brummten vorbei und Autos und schrille Vespas. Die Sonne schien immer schöner, warmes Licht flutete die Stadt. Hamburg im Sommer habe ich noch nie erlebt, sonst immer nur Kälte und Dunkelheit und Regen. Ich aß einen köstlichen Cheesecake (5 Sterne) und schlürfte Flat White (4 Sterne). Die Frau am Nebentisch lauschte unserem Gespräch, obwohl es gar nicht spannend war.

Menschen genossen die Leichtigkeit, das Wetter, ihren Feierabend

Radfahrer rauschten vorbei, Kleider flatterten im Fahrtwind. Menschen genossen die Leichtigkeit, das Wetter, ihren Feierabend. Gelöste Stimmung überall, verliebte Paare, gestresste Eltern. Ein Spitz schnupperte den Beton ab, ein anderer Hund bat Fremde um fressbare Spenden. Jemand rauchte, jemand hustete. In solchen Momenten fällt es mir leicht, mich in ein Leben in Hamburg zu fantasieren. («Hannover ist auch schön», muss ich dann wie ein Mantra wiederholen, «Hannover ist auch schön.»)

Dry Ramen bei Momo

Freunde versprachen uns das beste Ramen der Stadt, das sollte es in der Schanze geben. Also gingen wir am Abend zu «Momo» (Website) in der Margaretenstraße. Ein gemütlicher Ort, geschmackvoll eingerichtet und erstaunlich groß. Die Toiletten waren mit japanischem Zeitungspapier tapeziert – viel besser als Raufaser! In der Karte entdeckten wir etwas, das sich «Dry Ramen» nannte: Ramen ohne Brühe – perfekt für den Sommer, fanden wir, und bestellten. Ich entschied mich für Abura Soba mit Hühnchen und Onsen-Ei (5 Sterne). Als Vorspeise: Edamame mit Meersalz (5 Sterne) und Kimchi (4 Sterne). Alles lecker, lecker! Leider waren wir dann zu satt, um ein Matcha-Eis nachzuschieben. Beim nächsten Mal!

Wein im Vineyard

Samstagabend, wir sind hungrig von einer Waldwanderung. Von Wein habe ich keine Ahnung, obwohl ich vor einer Weile an einem Winzerabend teilgenommen hatte. Das erlernte Wissen war jedoch flüchtig, eine Auffrischung ist nötig. Glücklicherweise wussten die Angestellten im «Vineyard» (Website) bestens Bescheid: Auf Empfehlung tranken wir zwei Weißweine, der erste trocken und trüb (4 Sterne), der zweite süß und fruchtig (4 Sterne). Passend dazu vernaschten wir Bruchschokolade (3 Sterne).

Alles ein bisschen teuer, aber schmackhaft, zum Beispiel der Brotteller mit Antipasti und Ziegenfrischkäse (5 Sterne) oder die Flammkuchen mit Chutney und noch mehr Ziegenkäse (4 Sterne). Das Vineyard ist hauptsächlich ein Fachgeschäft, das eine riesige Auswahl bietet. Meine Güte, so viele Weine, so viele Geschmacksrichtungen – so viel zu erkunden. Doch so wenig Zeit: Schon war wieder Sonntag, Tag der Abreise. Mit dem Bus zum Dammtor, mit dem ICE nach Hannover. Da ist es auch schön, ja, aber eben nicht ganz so schön wie in der Hansestadt.

DIY: Dielen abschleifen

Unter dem Laminat, da lag tatsächlich: ein Dielenboden! Eines Tages, nachdem wir monatelang über den Boden geschlurft waren, trauten wir uns. Hoben im Flur das Laminat vorsichtig an, und nahmen schließlich einzelne Bretter heraus. Da lagen sie zu unseren Füßen, alte Holzdielen voller Farbflecken und Dreck, getränkt in Ochsenblut. Früher malten die Leute ihre Dielen rot an – warum, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, warum jemand hässliches Laminat auf einen schönen Holzboden verlegt.

Klar war: Das Laminat muss weg! Spontan beschlossen wir, den kompletten Boden herauszureißen – das ging erstaunlich schnell und einfach. Der Zustand der langen Holzdielen war glücklicherweise in Ordnung: keine Löcher, kein Holzwurmbefall, keine Wasserflecken. Nur im Türrahmen zum Schlafzimmer hatte es irgendwann einmal hässliche Ausbesserungsarbeiten gegeben. Die Dielen gingen dort in zerbröselten Gips über. (Wir setzten dort ein neues Kiefernbrett als Türschwelle ein, verklebten es mit etwas Silikon.)

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Gedanken zur Nikon Z5

Wenn Nikon neue Kameras vorstellt, schaue ich immer interessiert hin. Ich bin zwar kein Fanboy, habe Nikon aber immer gemocht. Nun hat der japanische Hersteller eine neue Systemkamera vorgestellt: die Z5 (Produktseite). Sie ist eine günstigere Variante der Z6 und Z7, die es bereits eine Weile zu kaufen gibt. Hier und da ist von einer «Einsteigerkamera» zu lesen, was ich aber für Quatsch halte: Ein Einsteiger würde doch keine 1850 Euro für eine Z5 ausgeben und auch nicht gleich mit dem Vollformat beginnen. Eventuell liege ich aber falsch: Nikon selbst bezeichnet die neue Kamera auch als «FX-Einstiegskamera» (und als «Katalysator», was auch immer das bedeutet).

Meine erste digitale Spiegelreflexkamera war eine Nikon D50, die ich im Sommer 2006 für 579 Euro erwarb. Auch sie galt als Kamera für Einsteiger, deren größere Schwester die D70 war. Mir hat, glaube ich, nie eine wichtige Funktion gefehlt – außer vielleicht ein beleuchtetes Schulterdisplay.

Teurer Aufstieg

Als ich Geld als Volontär und Redakteur verdiente, gönnte ich mir zuerst die Ricoh GR und etwas später doch wieder eine Nikon, die D7100. Letztere schleppte ich 2014 durch Amsterdam und war einigermaßen genervt. Es war der letzte Urlaub, in dem mich eine Spiegelreflex begleitete – diese Kameras sind einfach zu schwer und zu laut, wenngleich das Fotografieren mit ihnen am meisten Spaß macht. Aber unbeschwert mit einer kleinen Ricoh GR durch Lissabon zu laufen, ist eben auch eine tolle Erfahrung.

Das Vollformat fand ich jedoch immer faszinierend und reizvoll. Warum, weiß ich nicht genau; vielleicht ist das alles nur Marketing. Sind Vollformat-Fotos wirklich so viel besser, brillanter und detailreicher als die Fotos, die ein APS-C-Sensor einfängt? Ist das Vollformat den hohen Aufpreis wert? Teuer ist der Spaß nämlich: Wenn ich zum Beispiel die Z6 erwerben und ein ordentliches (!) Objektiv dran schraube würde, kostete das 3350 Euro (1450 Euro fürs Gehäuse + 1900 Euro fürs Objektiv). Es geht natürlich günstiger: Die 50mm-Festbrenntweite zum Beispiel kostet «nur» 470 Euro; mein Favorit wäre wohl das 35er für 750 Euro. (Die neue Z5 wird es zunächst nur als Kit für 1850 Euro geben. Der Preis wird aber sicherlich sinken.)

Uff. All das wäre relevant, wenn ich 1.) unbedingt ins Vollformat einsteigen und 2.) unbedingt eine Nikon erwerben wollte. Bei beidem bin ich mir sehr unsicher, weil ich die Bilder, die eine ältere X100T liefert, einfach am schönsten finde. Außerdem ist mein Smartphone ein ordentlicher Ersatz für eine ausgewachsene Kamera geworden. (In den Urlaub aber ganz ohne richtige Kamera fahren? Das kann ich mir noch nicht vorstellen.) Wird fortgesetzt …

Dangast statt Fernflug

Recht spontan und mit dem Zug fuhren wir ans Meer – an die Nordsee, genauer: an den Jadebusen, nach Dangast. Ein schönes Fleckchen!

Das kleine Nordseebad hat etwas mehr als 500 Einwohner und gilt als Treffpunkt für Künstler, die zum Beispiel dicke Wale malen, die Walter heißen. Das letzte Stück legten wir im Linienbus zurück, von Varel nach Dangast mit dem 253er. Am Steuer saß eine fröhliche Frau, die sofort wusste, wohin wir wollten. Wir waren die gesamte Fahrt lang die einzigen Fahrgäste. Ob es immer so leer sei, fragte ich. Nein, normalerweise sei der Bus rappelvoll, aber wegen Corona würden die Touristen den ÖPNV meiden. Deshalb meistens entspannte Leerfahrten, die auch mal von der eigentlichen Route abweichen.

Urlaub in Dangast

Normalerweise würden wir zu dieser Zeit eher in Portugal, Italien oder Spanien weilen. Dieses Jahr ist es natürlich anders, plötzlich ist Deutschland die Welt. Manche Leute behaupten, ein Urlaub hierzulande würde eine Auslands- oder gar eine Fernreise ersetzen. Stimmt aber nicht, es ist eine ganz andere Kategorie. In Deutschland fehlt einfach das Unbekannte und Überraschende. Ich kenne alle Marken und Läden, kenne die Mentalität der Menschen und verstehe deren Sprache. Ich kann mich nicht treiben lassen in einem Singsang von Lauten ohne Sinn. Stattdessen höre ich, wie Andreas, Rainer oder Joachim über Radfahrer motzen und Bettina, Renate oder Heike über «diese jungen Leute» schimpfen. Hoffentlich meinen sie uns!

Plötzlich ist Deutschland die Welt: Ich kenne alle Marken und Läden, kenne die Mentalität der Menschen und verstehe deren Sprache

Es ist tatsächlich ein bisschen anstrengend, ständig deutsche Touristen um sich zu haben. Es sind die einzigen Touristen, weil kein Spanier nach Dangast reist, kein Franzose, kein Peruaner, kein Mongole. Es ist eine homogene Menschenmasse, die sich am Strand trifft oder hungrig die Hauptstraße entlang schlurft. Viele kurzärmlige Karohemden und beige Schirmmützen sind zu sehen. «Es gibt schon viele Ü-50er hier», hatte der Café-Betreiber im Ort gelästert1. Lässig und cool sind die Leute wahrlich nicht, viele ältere Menschen trugen eine düstere Schwere mit sich herum.

  1. Als wir in seinem Café saßen und lasen, kam er irgendwann an unseren Tisch und lobte uns überschwänglich. Er würde selten junge Menschen sehen, die einfach nur lesen – und zwar Bücher. Als Belohnung gab er uns zwei Iced Latte aus. (Ich las Bonjour Tristesse von Françoise Sagan.)

Auch wenn ein Deutschlandurlaub nicht aufregend ist wie eine Reise ans Ende der Welt, war die Woche in Dangast dennoch schön – und vor allem: entspannend. Wir fuhren mit dem Elektrofahrrad am Deich entlang, da war kein Mensch weit und breit, nur Schafe und das Wasser und der Himmel über uns. Das flache Land erstreckte sich bis an den Horizont; die Weite tat den Augen gut.

Wir lümmelten stundenlang im Strandkorb, der sich sogar per App entsperren ließ, aßen köstliche Pizza im «Pani e Vini» (Website) und tranken cremigen Milchkaffee in der «Zweiten Heimat» (Facebook). Ich verliebte mich in eine Hündin namens Leni und war kurz davor, mit ihr durchzubrennen. Doch meine (menschliche) Verlobte vereitelte diesen Plan, indem sie Tiramisu bestellte. Das war vorzüglich! Allein deshalb lohnt sich die Reise nach Dangast. Nehmen Sie den Bus, der ist schön leer.

Wer nicht mit dem Auto anreist, fährt mit dem Zug nach Oldenburg, steigt dort um und fährt weiter nach Varel. Flaneure, die nun etwas Zeit haben, gehen zu Fuß nach Dangast: Die schönere Strecke führt am Meer entlang und ist etwa zehn Kilometer lang. (Auf direktem Weg sind es sieben Kilometer.) Wer es eilig hat, steigt ins Taxi oder wartet auf den Bus. Unsere Unterkunft haben wir auf Airbnb gefunden.