Probefahrt mit Lastenrad

7. März 2025

Neulich machte ich eine Probefahrt mit einem Lastenrad. Genauer: mit dem Carrie city von Mercedes, äh, Riese & Müller. Es fuhr erstaunlich agil, die Ausfahrt hat definitiv Spaß gemacht. Zweimal wurde mir die Vorfahrt durch Automobile genommen, aber das kenne ich nicht anders. Mit einem Lastenrad, dachte ich, falle ich vielleicht mehr auf. Das ist wahrscheinlich auch so, aber ernst nimmt mich trotzdem niemand.

Der nette Verkäufer hat dann noch ein paar Säcke auf die Ladefläche geworfen, um eine Fahrt mit Kind zu simulieren. Meinen echten Sohn durfte ich nicht einpacken, das sei aus Gründen nicht möglich, behauptete der Verkäufer. Mit der Ladung fuhr das Rad noch etwas ruhiger und stabiler. Hat Spaß gemacht.

Aber! Als wir dann im Autohaus, äh, Fahrradladen saßen und auf den Bildschirm starrten, wollte ich laut auflachen. Das Fahrrad mit Extras sollte 6.578 Euro kosten. «Den ganzen Laden wollte ich aber nicht kaufen», dachte ich und hätte es laut gesagt, wenn ich denn ein sog. Boomer wäre. Nach der Testfahrt und Beratung setzten wir uns auf unsere Fahrräder und fuhren im Nieselregen nach Hause.

Weihnachtseinkauf

23. Dezember 2024

Es ist eine kleine Tradition, dass ich am 23. Dezember noch einmal in den Supermarkt gehe, um die wenigen wichtigen Sachen zu erwerben, die wir vergessen haben. Dieses Jahr brauchen wir noch eine Frischmilch, gemahlene Mandeln – und einiges mehr. Ich nehme den Einkaufswagen. (Ich hatte einmal fiebernd überlegt, dass es Einkaufskörbe mit Rollen geben müsste. Nun ja.) Es ist erstaunlich wenig los, es macht fast schon Spaß, durch den Supermarkt zu laufen; ich bin aber stets in Eile, wenn ich hier bin. Alles rein da in den Wagen. Nur die gemahlenen Mandeln sind ausverkauft. Leer. Alle. Schade. Also gehackte Mandeln stattdessen. Als Ersatz. (Sie werden ungenutzt in der Schublade landen.)

An der Kasse habe ich Glück: Kasse #2 ist noch geöffnet und ich darf mich anstellen. «Du darfst auch noch», bestätigt der Kassierer. Ich bin der letzte Kunde an dieser Kasse, was natürlich einen tollen Vorteil hat: Ich kann in Ruhe einpacken, niemand drängelt. Schön. Ich beeile mich dennoch, kann nicht anders, an der Kasse ist immer Krieg, da muss es zügig gehen. Ich habe keine Zeit zu verschwenden, ich zahle und bin weg. Raus. Draußen. Zu Hause fällt uns ein, dass zwei, drei Sachen fehlen. Soll ich also noch einmal los? Muss ich?


Später mit Frau und Sohn in den anderen Supermarkt. Dort hatten sie die gemahlenen Mandeln und noch einiges, was wir auch noch brauchten. Es war Nachmittag und der Laden war recht voll. An den Kassen also lange Schlangen. Da stehen wir. Der Sohn hat Spaß.

Das Kännchen

13. Dezember 2024

«Das Kännchen, da vorn! Guck doch mal um die Ecke! Ach, das gibt’s doch nicht», ruft die Frau und steht auf. Große Augen hinter gewölbten Brillengläsern. Ihr Mann in heller Jeansjacke wirkt orientierungslos. Er weiß überhaupt nicht, was seine Frau von ihm will. «Da ist das Kännchen doch!», schnauzt sie und nimmt das Kännchen vom Counter. Gießt Milch in ihren Kaffee. Dann setzen sie sich zurück an den Tisch, die Frau und ihr überforderter Mann. Sie trinken schweigend.

Trinkgeldschlingel

12. Dezember 2024

Das Zwei-Mann-Team von DHL schleppt unser neues Bett in den zweiten Stock. Ich stehe im Flur und sage: «Dorthin, bitte.» Sie schnaufen. Draußen hupt einer, denn der kleine Lkw steht mitten auf der Straße. Der eine Mann rennt wieder runter, während der zweite Mann den letzten Karton hochschleppt.

Ich habe zwei Fünf-Euro-Scheine in der Tasche, die ich tags zuvor organisiert hatte: Zuerst versuchte ich mein Glück am Geldautomaten, aber der spuckte nur 20er aus. Also ging ich rüber in den Hofladen und kaufte einen Aufstrich und Tomaten. Ich zahlte bar und bat um zwei 5er als Rückgeld. Die Verkäuferin hielt inne. Die 5er seien aber rar, behauptete sie. Könne sie eigentlich nicht machen. Sie zögerte. Überwand sich. Sie gab mir die beiden Scheine.

Der eine Mann blieb unten, saß schon im Wagen. Also gab ich dem zweiten Mann die beiden Scheine. Was vielleicht dumm war: Womöglich hat er sie beide behalten. Und sind fünf Euro p.P. eigentlich zu viel? Zu wenig? Und hat er nun zehn Euro Trinkgeld bekommen, dieser Schlingel?

Heißer Kaffee

9. Dezember 2024

Manche Cafés servieren Heißgetränke in Gläsern, also etwa einen Flat White. An diesem Sonntag bekam ich einen Latte M. im Glas, und das Glas war heiß, viel zu heiß, denn die Milch kochte fast. Das sollte einem Barista nicht passieren; dass die Milch kocht, meine ich. Dass die heiße Plörre auch noch im Glas blubberte, ist eine freche Unart, die ich künftig rigoros ablehnen werde. Ich möchte Kaffee in der Tasse und manchmal sage ich das bei der Bestellung auch: «Einen Flat White, bitte, aber in der Tasse.» Einmal sagte man mir jedoch, das sei nicht möglich. – Aha, wieso nicht? – Die Menge würde nicht in eine Tasse passen, lautete die Erklärung.

Viel zu spät fiel mir ein, dass sie dann eben zwei Tassen hätten füllen können. Da ein Flat White aus zwei Espresso-Shots besteht, hätte man sie leicht auf zwei Tassen aufteilen können: ein Shot pro Tasse, um es einmal auszuformulieren. Also hätte ich einfach zwei Cappuccinos bestellen müssen. Die werden meines Wissens niemals im Glas serviert. Zudem ist es so, dass viele Baristas ohnehin nicht wissen, was ein Flat White ist. Sie knallen einfach zwei Espressos in den Cappuccino und gut. Das prangere ich nebenbei an.

Hamburg im Regen

23. November 2024 · Hamburg

Ein paar Tage Urlaub in HH, um Freunde und deren Kinder zu besuchen. Es regnete. Es regnete viel.

Für fünf Nächte nach Hamburg – wir nehmen den ICE um 11:20 Uhr; er ist pünktlich. Der Sohn schaut während der Fahrt aus dem Fenster und ist begeistert: Was da alles zu sehen ist, vor allem Bäume. 12:40 Uhr. In Hamburg regnet es, das muss wohl so. Typisch. Wir nehmen die S-Bahn in Richtung Altona, Ausstieg: Holstentor. Zu Fuß weiter; nach kurzer Streckte sind wir in unserer Airbnb-Bude für viel Geld pro Nacht. Es ist inzwischen 13:11 Uhr. Der Sohn macht Mittagsschlaf und ich gehe zu Edeka und Budni. Alles kaufen, was fürs Frühstück nötig ist und mehr. An der Kasse sagen sie: «Moin!» Am Nachmittag mit dem Bus zu Freunden. Kaffee trinken. Um 17:41 Uhr warten wir auf den Bus. Auf den 20er oder den 25er. Der erste Bus ist so voll, dass wir nicht mehr reinpassen und weiter warten müssen. Der zweite Bus hat etwas Platz für uns. Ich hasse Busse und Menschen und den Regen. Abendessen essen, der Sohn geht schlafen. Ich gehe noch mal raus, drehe eine kleine Runde und werde nass. Regen, Regen, um 20:18 Uhr stehe ich wieder im Treppenhaus vom Haus.

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Besoffene Flaschen

27. Oktober 2024

In Linden-Mitte sind die Menschen, denn es ist Samstag und es ist Markttag. Und es scheint die Sonne – sie wirft herrliches Herbstlicht in die Gesichter. Kaffee trinken, ganz viel Kaffee trinken. Gähnen, gaffen, herumsitzen, abwarten und warten, bezahlen und trinken. Noch einen Kaffee, bitte! Und eine Flasche Bier. Wer’s mag. Hier stehen wir und der Sohn rüttelt am Bauzaun; sie haben den Spielplatz abgesperrt, komplett eingezäunt und auch die Mülleimer sind hinter Gittern, deshalb liegt der Müll auf dem Boden. Da stehen auch die ausgetrunkenen Sektflaschen und Weinflaschen; es sind die Flaschen von letzter Nacht. Angetrunkene Köter torkeln durch den Tag und knurren und kläffen. Im Schatten ist der Boden noch feucht. Zertretene Kippen. Da kommt die Stadtbahn, wir steigen ein. Kehren zurück in unseren Stadtteil.

Entspannte Erinnerung

22. Oktober 2024

Eine Erinnerung taucht in meinem Kopf auf. Wir saßen in Westerland, saßen in einer gemütlichen Ferienwohnung. Wir schauten das Dschungelcamp im TV und ruhten uns aus. Es war herrlich. Draußen war es kalt und dunkel. Da war es still, nur die raschelnden Bäume waren zu hören, manchmal ein bellender Hund. Tagsüber fuhren wir mit dem Bus über die Insel, nach Rantum, nach Kampen, nach Hörnum. Ein wenig herumlaufen, etwas essen und dann wieder nach Hause. Aufs Sofa. Einmal waren wir im Kino, wir konnten zu Fuß gehen. Ein kleiner Kinosaal und Popcorn und kaum Leute. Zwei Wochen im Winter auf Sylt, zwei Wochen pure Entspannung. Das war wunderbar.

Rückkehr im Oktober

12. Oktober 2024

Meine Elternzeit endet, ich muss wieder ins Büro. Dort wartet Tristesse.

Nach dem Drop-off in der Kita kann ich jetzt nicht mehr ins Café gehen: Ich muss stattdessen wieder zur Arbeit fahren, ich muss zurück ins Büro. Muss mit der Bahn fahren, zusammen mit den anderen Menschen, die ebenfalls irgendwohin müssen. Einer schaut sich ein Video auf dem Handy an, Kopfhörer hat er aber keine, der Ton ist blechern. Medizinstudentinnen reden über ihre Haus- und Doktorarbeiten. Ich bin hundemüde und starre aus dem Fenster. Gern hätte ich ein Buch dabei, aber ich habe es vergessen, es liegt zu Hause. Gern wäre ich woanders, nämlich zu Hause. Im Homeoffice. Aber ich rumple durch den Raum. Hätte ich doch das Fahrrad genommen!

Montag

Am Montag sitze ich allein im Büro. Da ist ein heller Fleck auf dem Stuhl. Fast zweitausend ungelesene E-Mails liegen in meinem Postfach. Ich bin wieder da, aber das ist egal. So ist das Arbeitsleben: Arbeitswoche reiht sich an Arbeitswoche, dazwischen liegen die Wochenenden wie Inseln in einem endlosen Ozean. Ich bin enttäuscht über mein verkorkstes Onboarding. Immerhin war ich ein halbes Jahr weg! Da sitze ich also auf dem Fleck und alles ist wie immer (und schlechter). Doch es ist vollkommen sinnlos, das habe ich eigentlich längst begriffen – bestimmte Dinge werden sich niemals ändern. Ich werde wohl nie das Gefühl haben, wirklich angekommen zu sein. Ich muss etwas ändern; später.

Dienstag

Dienstag muss ich den lieben Sohn mittags aus der Kita abholen – sie zersägen Bäume im Hinterhof, ein Kettensägenmassaker, ein Höllenlärm, die Kinder können nicht schlafen. Also mache ich eine lange Mittagspause und der Sohn schläft in der Trage; ich laufe durch den Stadtteil wie vor ein paar Wochen schon, als ich meine Elternzeit damit verbrachte, den schlafenden Sohn durch die Stadt und durch den Wald zu tragen.


Mittwoch: Arbeit. Donnerstag: Arbeit. Freitag: Arbeit. Dann Feierabend, und die erste Arbeitswoche ist geschafft. Die erste Woche mit Kita und Arbeit und Einkaufen und Terminen und E-Mails und Aufgaben. Als wäre es nie anders gewesen.

Ich sitze in der Bahn, da sitzen die anderen Gestalten, Figuren, Menschen, Hunde. Manche lesen sogar ein Buch; ich habe meins schon wieder zu Hause vergessen. Die Sonne scheint. Der Sohn schläft noch, als ich ihn in der Kita abholen möchte.

Brückentag

4. Oktober 2024

Brückentag, alle sind auf dem Markt. Wie ein Magnet zieht er Menschen an, die sich schick anziehen, die mit dem Benz vorfahren und auf dem Fußweg parken. Und da sind auch die jungen Familien, da sind auch wir mit dem Sohn, der aufgeregt alles benennt, das ihn interessiert: «Baum! Wauwau! Auto! Ei!»

Eine ältere Dame reiht sich in der Schlange einfach vor uns ein und steht dann dämlich vor dem Terminal herum, an das ich meine Karte halten muss, um die Brötchen zu bezahlen, die andere lieber in tausend kleinen Münzen erwerben, die stundenlang im Portemonnaie herumwühlen, als würden sie nach dem Bernsteinzimmer suchen: «Es muss doch hier irgendwo sein, na schau an, da ist es ja und Atlantis und Bigfoot und Adolf Hitlers Matschhirn.»

Und welcher Hurensohn knibbelt eigentlich einen Anti-Nazi-Aufkleber ab? Na klar: ein Nazi. Der liebe Sohn kann jetzt übrigens auch «Arsch» sagen. Falls mal ein AfD-Wichser auftaucht.