Neu!

Antirauschen —
Ein persönliches Blog

Ich höre Stimmen

Eine Stimme. Männlich, laut – viel zu laut. Es ist früh, viel zu früh. Halb sechs, fünf Uhr dreißig. Die Stimme wird zu einem Lachen. Es ist der lustigste Mann der Welt. In mir steigt Hass auf. Und ich steh auf. Auf dem Balkon sehe ich den Mann hoch oben in der Luft, vierter Stock, es sind sogar zwei Männer, rauchend. Sie stehen auf dem Balkon und plappern. Lachen. Haben Spaß. Ihre Stimmen hallen hin und her, der Hinterhof ist ihre Konzerthalle. Guten Morgen! Ich grummle die Männer an1, reg mich auf, aber die Männer lachen nur und äffen mich nach. Hahaha.

  1. Ich bin Langschläfer, eine Nachteule. Habe mich natürlich an gesellschaftliche Zwänge angepasst und stehe früher auf. Aber nicht um 5 Uhr, auch nicht um 6 Uhr.

Es gilt sogar noch die Nachtruhe, die von 22 bis 6 Uhr für Ruhe sorgen soll. Hält sich natürlich niemand dran, klar. Im Sommer sowieso nicht. Niemand würde um 23:30 den lauten Nachbarn um Ruhe bitten. Niemals. Auch an einem Dienstag nicht. Auch um 0:30 Uhr sagt keiner was. Auch nicht um 1 Uhr. Auch wenn die hohle Nachbarin auf dem Balkon hockt, gackert und ihre Bluetooth-Box plärrt und wummert. Egal, alles egal. Oder alle schlafen nach vorne raus, zur Straße, da ist es beizeiten ruhiger.

In der alten Nachbarschaft gab es die alte Dame, die sich das nicht hat gefallen lassen. Die zischte: Ruhe! Es war 22:01 Uhr und die Nachtruhe eine Minute jung. Ihr Fenster ging auf, das Gesicht erschien, sie stellte erbost fest: «Die quatschen schon wieder. Unmöglich!» Das war ein ganz anderes Regiment. Hier gelten andere Regeln, eine ältere Dame, die für Ruhe und Ordnung sorgt, fehlt. Gut so, an sich, aber manchmal will ich sie zurück. Zum Beispiel an diesem Morgen um fünf Uhr dreißig. Dass sie zischt: Ruhe! Und dann wäre auch endlich: Ruhe.

Wenn das Firmware-Update am Kabel scheitert

Firmware-Updates kosten Zeit und nerven. Besonders ärgerlich, wenn sie an einer Banalität scheitern – zum Beispiel an einem falschen Kabel.

Mir fiel ein, dass ich die Firmware von meiner Kamera aktualisieren könnte, von meiner Alpha 6300 der Marke Sony. Denn tatsächlich: Es gab längst eine neuere Version, ein brandneues Firmware-Update. Also stöpselte ich die Kamera via USB an meinen Mac und legte los. Ich musste zwei Dateien herunterladen und die eine in die andere ziehen und so weiter. Der Vorgang war etwas seltsam und erschien mir unnötig komplex, aber das ist typisch für Sony: allein das Kameramenü!

Jedenfalls funktionierte es nicht – die Software behauptete, dass keine Kamera angeschlossen wäre. Seltsam. Ich fragte Google, was zu tun sei und die allmächtige Internet-Göttin verriet mir, dass es sicherlich am USB-Kabel liegen würde. Ich habe die Kamera nämlich mit irgendeinem Kabel angeschlossen. Ist doch völlig egal, dachte ich. Aber nein, nein, schrieb die Hilfeseite von Sony. Nur das Originalkabel vermag ein Update zur Alpha zu transportieren, Sie Dummerchen!

weiterlesen

Vanmoof S2 erwacht

Im Prinzip war dann plötzlich Sommer – im Februar: blauer Himmel, warmer Sonnenschein, fast zwanzig Grad C. Vor einer Woche lag noch überall Schnee herum, jetzt gibt’s Eis nur noch im Becher und mit Erdbeersoße. Zeit, mein Fahrrad aus dem Keller zu hieven, mein S2 von Vanmoof.

Jedenfalls schrauben die Nachbarn fleißig an ihren Fahrrädern herum, wechseln Schläuche aus und pumpen Reifen auf. Einer macht alles komplett neu, ist damit den ganzen Tag beschäftigt. Ich hab es wesentlich einfacher: Mein Rad ist in einem guten Zustand, der Luftdruck ist in noch Ordnung und der Rahmen nur ein bisschen staubig.

weiterlesen

Auf Schritt und Tritt

Die Geißel des schreibenden Stubenhockers ist das Sitzen. Der Rücken wird krumm und die Gelenke werden morsch. Was dagegen tun? Aufstehen und in Bewegung geraten! Eine Woche lang habe ich mir vorgenommen, täglich 10.000 Schritte zu gehen oder zu laufen. Ich hatte am Montag und Dienstag versehentlich diese Marke überschritten und dachte: Die restlichen fünf Tage schaffe ich doch auch noch. Es war allerdings erstaunlich anstrengend, besonders am Sonntag.

Murrend um die Häuser

Zehntausend Schritte sind ganz schön viel, das ist ganz schön weit, nämlich sieben bis neun Kilometer. Diese Distanzen bin ich nie ab Stück gelaufen, ich musste mich mindestens zweimal am Tag aufraffen und eine Rund gehen oder durchs Gestrüpp joggen. Abends saß ich schon fast auf dem Sofa, als mir einfiel, dass noch 2000 Schritte fehlen. Also ging ich – leise murrend – vor die Tür und umrundete die Häuserblöcke, als wäre ich mit meinem unsichtbaren Hund unterwegs. (Der würde Natascha heißen und manchmal schnappen.)

Gut zu Fuß: Mindestens 10.000 Schritte pro Tag ergeben 75.285 Schritte in der Woche.

Am Sonntag bin ich losgerannt und durch den Stadtwald gejoggt. Ich wollte in kurzer Zeit möglichst viele Schritte sammeln. Nur kommt Google Fit mit dem Laufen nicht so gut klar – am Ende der Tour hatte ich erstaunlich wenig Schritte auf dem Tacho. Oder die App ist so klug und zählt beim Laufen größere Schritte1. Ich nehme an, dass beim normalen Gehen die Schrittlänge kürzer ist als beim Laufen. (Usw.) Jedenfalls flanierte ich dann auch am Sonntagabend meine «sinnlose Runde» durch den Stadtteil, um die fehlenden Schritte abzulatschen. Es war kalt, weil der Wind von vorne wehte. Es war dunkel und vor allem langweilig. Hätte ich doch einen echten Hund, mit dem ich über Luhmanns Systemtheorie quatschen könnte.

  1. Genau genommen liest die App ja nur den Bewegungssensor im Handy aus und interpretiert die erfassten Daten. Wahrscheinlich ist das sogar ziemlich genau (und ich hätte einfach eine Extrarunde joggen müssen).

Alles nur ausgedacht

Die täglichen 10.000 Schritte sind übrigens Quatsch und basieren keineswegs auf wissenschaftlichen Studien. Die willkürliche Zahl stammt aus der Werbung, alles nur ausgedachtes Marketing. Es würden wohl auch 7500 Schritte am Tag ausreichen, sagen einige Studien. Andere gehen davon aus, dass 10.000 sogar zu wenig sind. Nichts genaues weiß man nicht. Ich jedenfalls habe mein Tagesziel erst einmal reduziert, auf 7500, damit ich motiviert bleibe, mich täglich zu bewegen.