Mittwoch, 10. Juni

10. Juni 2026

Auf dem Weg zur Kita bekomme ich plötzlich Kopfschmerzen. Sie werden so stark, dass ich ständig denke: Kopfschmerzen, Kopfschmerzen, Kopfschmerzen. An der Kita angekommen, ist der liebe Sohn noch bestens gelaunt, doch das ändert sich rasch, plötzlich ist nichts mehr in Ordnung und er weint bitterlich. Keine leichte Zeit gerade: In der Kita spielen sich Dramen ab. Nicht unter den Kindern, nein, es sind die Erwachsenen, die für eine schlechte Stimmung sorgen und das merken auch die Kleinkinder. Jeden Tag wurde die Abgabe schwieriger; heute war es besonders hart. Aber irgendwie ging es doch. Zu Hause aß ich einen griechischen Joghurt und trank Wasser – die Kopfschmerzen verschwanden. Sodann machte ich mich auf den Weg zur Arbeit, mit dem Rad durch den Stadtwald und wieder rein in den urbanen Raum; alle Ampeln rot. Bin allein im Büro, es ist niemand da. Es herrscht Stille. Zum Mittagessen tauchen immerhin noch zwei Kollegen auf, mit denen ich zur Kantine schwebe; es gibt Cevapcici. Zurück im Büro entscheide ich, was sinnvoll ist und fahre ins Homeoffice. Zu Hause schmeckt der Kaffee besser und ich kann laut Musik hören.

Dienstag, 9. Juni

9. Juni 2026

Im Hintergrund brummt und klappert das Müllauto. Ein Autoalarm alarmiert die Gegend und ein paar Vögel zwitschern aufgeregt. Dienstag, weiß-grauer Himmel; später soll es regnen. Auf dem Gehweg lungern Leute und starren wie Zombies in ihre Handys. Speichel läuft aus ihren Mündern. Sie fühlen nichts mehr. Vorbei am Café an der Ecke, das von Straßen umzingelt ist. Überall Autos, die hupen. Hier sitzen und die Kakofonie der Stadt genießen. Es gibt hier auch eine Eisdiele, einen Rewe, einen Bäcker. Die Ecke ist trotzdem nicht schön. Kein Klein-Paris. Woanders gibt es einen Platz, auf dem es sich aushalten lässt: Seltsame Leute spielen hier Boule; aber schweigend. Die großen Bäume rascheln im Wind. Da ist auch eine spanische Bar, die tagsüber geschlossen ist. Abends öffnet sie, und der Platz wirkt etwas lebendiger, aber nie so richtig. Nicht so wie in Spanien, wo sie nach Feierabend die Plätze bevölkern, laut quatschen und sich noch einen Espresso reinkippen. Ich überlege, dass das Café, die Eisdiele und der Bäcker diesen Platz bevölkern müssten. Das würde viel besser passen. ¶ Und auch: Arbeit. Schreiben. Recherchieren, lesen und verstehen. Zwischendurch fragt der Leader: «Wieso, wieso, wieso?» Ich formuliere tausend Antworten, lösche aber alles und denke mir den Rest. Es ist besser so, es ist sinnlos wie so vieles. Kommunikation ist so eine Sache, ich denke an die vier Ohren, an: Man kann ja nicht nicht kommunizieren. Ich habe aber keine Lust, zu kommunizieren. ¶ Nachdem Regen übernimmt die Sonne wieder die Herrschaft über den nun blauen Himmel. Die Kirche bimmelt, ding, dong. Der Abend bricht an, der Dienstag neigt sich ganz allmählich seinem Ende entgegen.

Mittwoch, 3. Juni

3. Juni 2026

Die Woche begann schon völlig falsch. Der liebe Sohn blieb daheim, weil eine Erzieherin in der Kita erkrankt war. Normalerweise fahre ich montags ins Büro, aber dieses Mal blieb ich im Homeoffice. Der Sohn spielte mit Oma, es war ein sonniger Tag. Zwischendurch ein … herausfordernder Anruf, eine Eskalation in einer anderen Welt. Durchatmen. ¶ Mittagessen bei Edeka kaufen und dann in der Küche kochen. Essen. Weiterarbeiten. Den Arbeitstag schaffen. Irgendwie gelingt das. Durchatmen. ¶ Wir fahren rüber zur Bibliothek und geben Bücher ab. Ich muss außerdem noch eine Strafgebühr bezahlen, weil wir überzogen haben: 30 Cent. Doch das vergesse ich und wir dängeln weiter; der liebe Sohn fährt, ich jogge ihm hinterher. Sein Laufrad ist erstaunlich schnell. Kurzer Halt am Hubschrauber vor dem Edeka. Dann wieder nach Hause, ganz viel Autos spielen. Der Tag war komisch. ¶ Am Dienstag fiel meine Sonnenbrille auf den Boden, fetter Kratzer im Glas. Steinschlag! Die Brille ist keinen Monat alt, schade. Saß später in der prallen Sonne, es herrschte aber ein Wendehalswetter, weil es dann plötzlich regnete. Es drohte zudem ein Gewitter, aber es passierte nichts. Später regnete es doch noch und Iron Maiden spielte im Stadion. Run to the Hills. Auch Mustaine war da. ¶ Mittwoch. Es sind … seltsame Tage in der Kita. Als ich den lieben Sohn morgens abgebe und im Hinterhof den Kinderwagen verstaue, höre ich ihn weinen. Oje. Ich stehe draußen und warte noch kurz ab. Er beruhigt sich rasch. In wenigen Wochen ist auch das zweite Kita-Jahr geschafft. Und dann geht’s weiter. Eben war noch Eingewöhnung!

Pfingsten

26. Mai 2026

Ein Wochenende wie ein kleiner Urlaub, eine Auszeit, ein wenig mehr Leben. Samstag erwache ich jedoch mit Kopfschmerzen; ungünstig gelegen, verspannter Körper. Halbe Ibu rein, dann geht es weiter. Ich recherchierte zuvor: «Aspirin oder Ibu bei Hitze?» Herz- oder Nierenprobleme riskieren? ¶ Bestes Wetter: Hitze, Sonne, flirrende Luft. Wir essen Eis, wir essen draußen im Restaurant; die Busse zischen und die Lüfter brummen und geben alles. Menschen stehen in Flammen. Spaghetti-Eis gegen die Hitze! ¶ Radfahren, den kühlenden Fahrtwind spüren. Fehlt nur das Meer, das funkelnde Wasser, der Salzgeruch, den es womöglich gar nicht gibt. Immerhin duftet es nach Sonnencreme. ¶ Bisschen lesen, eine Nosferatu-Spinne klebt an der Fassade; zum Glück nur ein Jungtier. Manchmal weht der Wind und die Sonnenschirme wackeln und klackern. Im Garten sein, auf dem Balkon liegen. Sitzen. Trinken, viel trinken. ¶ Montag frei: so wunderbar fühlt sich also ein Drei-Tage-Wochenende an! Es wäre so schön, das jede Woche zu haben. Was machen wir nur, dass wir so viel arbeiten und diese Arbeit auch noch sinnlos ist? Das Leben wäre entspannter. ¶ Dienstag: Fahrt zur Arbeit, Präsenztag bei 30 Grad C. Ich fahre durch den Stadtwald, dort ist es wunderbar kühl. Bin neidisch auf die Frau, die alles dabeihat: Strohmatte, große Tasche (mit Köstlichkeiten), ein luftiges Outfit. Sie wird den Tag auf der Liegewiese im Wald verbringen. ¶ Ich bin dann im Büro. Es ist meine Pflicht.

Mittwoch, 20. Mai

20. Mai 2026

Mit dem Fahrrad los. Die hintere Bremse jault beim Anfahren, sie stößt ein hohes Fiepen aus; sie singt. Grauer Himmel über mir – könnte noch regnen; es soll später regnen. Jetzt ist Regenpause, also fahre ich los. Der Wald ist nass und satt, es ist herrlich hier. Es riecht gut, glaube ich. Ich gleite durch den Stadtwald, durch die Eilenriede. Ein Privileg ist dieser Arbeitsweg. Im Büro bin ich dann erst mal allein. Stille. Ich kann Musik hören und schreibe meinen Artikel. Es wird später Nudeln geben (in der Kantine).

Bäcker-Café

24. April 2026

Der Bäcker um die Ecke verkauft auch Kaffee – also Cappuccino und Late Macchiato. Die sind ein wenig teurer, wenn man sie vor Ort verbraucht, was irgendwas mit der Umsatzsteuer zu tun hat und wieder so typisch deutsch ist. (Alles muss unnötig kompliziert sein.) Wir sitzen beim Bäcker, weil der Spielplatz in der Nähe ist und wir noch Lust auf Koffein und Waffeln haben. Die gibt es hier auch, aber nicht immer: Wenn der Teig leer ist oder das Waffeleisen kaputt, gibt es eben keine Waffeln.

Die Frauen, die beim Bäcker arbeiten, sind latent unfreundlich, aber nicht ganz, wahrscheinlich so typisch norddeutsch. (Das ist aber eine Ausrede, um frech zu Leuten zu sein: Das sei eben typisch norddeutsch, wenn sie dich beleidigen.) Jedenfalls nervt mich an diesem Bäcker-Café, dass sie die Hocker draußen immer an die Tische ketten und diese Verkettung (morgens) nicht auflösen. Man kann deshalb nur schlecht auf den Hockern sitzen, denn sie sind zu eng verkettet. Es muss pure Faulheit sein, dass sie morgens die Ketten nicht lösen, damit sich die Kunden vernünftig hinsetzen könnten.

Hinzu kommt, dass der Kaffee – der Cappuccino – nie gut ist. Regelmäßig ist er leider auch schlecht und einmal sogar ungenießbar (weil die Milch verbrannt war). Das Personal ist also latent unfreundlich, die Hocker draußen unbenutzbar und der Kaffee ist mittelmäßig (oder schlecht). Warum sitzen wir hier dennoch? Weil es keine Alternative gibt, weil wir auf dem Weg zum Spielplatz Lust auf Kaffee und Waffeln hatten. So ist das.

Tag mit Regen

28. Oktober 2025

Regen, viel Regen. Wir sind unterwegs zur Kita: der liebe Sohn und ich. Eine Viertelstunde dauert der Weg, und es regnet immer stärker. Ist ja gut für die Pflanzen, denke ich, wünsche mir zugleich aber Sonnenschein. Als wir endlich ankommen, hört der Regen prompt auf.

So ein Dienstag, irgendein Dienstag

Mittags muss ich den lieben Sohn früher als geplant abholen. Es regnet schon wieder. Und es hört prompt auf, als wir zu Hause ankommen. So ein Tag ist das also, so ein Dienstag, irgendein Dienstag.

Zwischendurch arbeite ich, zum Glück im Homeoffice, da hacke ich eine Menge Buchstaben in die Tastatur. Wichtig ist, stets flexibel zu bleiben. Planen kann man nichts, zeitweise keinen einzigen Tag im Voraus; die Betreuung bleibt beizeiten ein Glücksspiel. Ob also alle mitmachen. Ob alle gesund bleiben. Oder ob am Ende alles zusammenkracht. Es wird aber besser werden, das wird es doch immer. Dann ist nämlich Frühling. Wird trotzdem regnen.

Brückentag

4. Oktober 2024

Brückentag, alle sind auf dem Markt. Wie ein Magnet zieht er Menschen an, die sich schick anziehen, die mit dem Benz vorfahren und auf dem Fußweg parken. Und da sind auch die jungen Familien, da sind auch wir mit dem Sohn, der aufgeregt alles benennt, das ihn interessiert: «Baum! Wauwau! Auto! Ei!»

Eine ältere Dame reiht sich in der Schlange einfach vor uns ein und steht dann dämlich vor dem Terminal herum, an das ich meine Karte halten muss, um die Brötchen zu bezahlen, die andere lieber in tausend kleinen Münzen erwerben, die stundenlang im Portemonnaie herumwühlen, als würden sie nach dem Bernsteinzimmer suchen: «Es muss doch hier irgendwo sein, na schau an, da ist es ja und Atlantis und Bigfoot und Adolf Hitlers Matschhirn.»

Und welcher Hurensohn knibbelt eigentlich einen Anti-Nazi-Aufkleber ab? Na klar: ein Nazi. Der liebe Sohn kann jetzt übrigens auch «Arsch» sagen. Falls mal ein AfD-Wichser auftaucht.

Streuner

12. September 2024

Heute ist es kühl draußen, also sitze ich im Bistro, ich sitze oben und esse Chili con Carne und lese nebenbei einen Houellebecq: Ausweitung der Kampfzone. Derweil macht der Sohn in der Kita seinen Mittagsschlaf; ich bin auf Abruf, falls was schiefläuft. Während der Kita-Eingewöhnung, die nun bereits einen Monat läuft, kann ich im Café sitzen, im Bistro speisen oder herumlaufen oder auf einer Parkbank beobachten, was die anderen Menschen um diese Zeit so treiben. Da sind die Säufer, die saufen, lachen und labern; da sind die Businesskasper in ihren Anzügen, die Termine habe und deren Schnürsenkel offen sind. (Zwei Kerle tragen rote Sneaker zu ihren Anzügen – haben sie sich abgesprochen?) Da sind außerdem die Handwerker und Bauarbeiter, das sind die Obdachlosen und Rentner, da sind andere Väter, die wohl auch die Zeit totschlagen müssen.

An vielen Tagen war das Wetter so schön, dass es fast nervte. Fast dreißig Grad, immer Sonnenschein. Jetzt beginnt der Herbst: Es riecht danach und die Luft ist deutlich kühler und das Licht ist warm. Die Bäume rascheln und werfen Blätter und Kastanien ab. Anfangs war ich noch angespannt, weil ich nicht wissen konnte, ob das mit dem Mittagsschlaf klappen würde. Die Erzieherinnen schickten mir immer mal wieder Fotos vom Sohn, wie er am Tisch sitzt und isst, wie er spielt – wie er tatsächlich schläft.

Nach dem Essen streune ich umher, gehe in die Innenstadt. Dort ist viel los. Und der Himmel ist wieder blau, ehe der Regen kommt. Ich stehe vor einem Schaufenster und glotze: Da sollen hässliche Champagnerbecher satte 300 Euro kosten. Eine wohlhabende Oma kommt und drängelt mich weg, sie will auch mal schauen. Ist ja ein Schaufenster, also schaut sie. Ich gehe weiter, vorbei an den Geschäften, an den Marken, an gelangweilten Verkäufern, die hier ausharren. In einigen Wochen arbeite ich auch wieder. Verbringe meine Zeit auch im Büro, mit Kollegen, die ich nicht alle mag. Erledige dies und das, sitze da und schaue auf den Bildschirm. Ich gehe weiter, dahinten ist der Buchladen. Dann muss ich umkehren und den Sohn abholen. Er hat Feierabend.

Sitzen und schreiben

9. September 2024

Während der Kita-Eingewöhnung kann ich an Orten verweilen, an denen ich sonst nicht bin. Da sitze ich und lese, schaue oder schreibe. Ich habe eine Zeitschrift dabei, den New Yorker, und lese, ich habe mein MacBook dabei und schreibe. Weil es kein WLAN gibt, bleibt es offline. Das ist herrlich: Ich kann nicht sinnlos im Internet surfen, sondern nur schreiben. Oder schauen, wer da noch so ist.

Eine Parkbank weiter versammeln sich die Säufer. Sie saufen und lachen. Einer erzählt was, er redet Russisch. Einer repariert sein Fahrrad. Die einzige Frau in der Gruppe geht pinkeln. Es gibt ein dreckiges Dixi-Klo anbei, da geht sie hin. Heute ist es wolkig. Manchmal jedoch sticht das Sonnenlicht an den Wolken vorbei. Keine Affenhitze mehr. Die Säufer lachen und klackend machen sie neue Flaschen auf.