Ich befinde mich in einer Mall, in einem Einkaufszentrum, das sich selbst als […]-Galerie bezeichnet. Es ist Dezember, deshalb ist hier viel los. Auch ich schleppe eine prall gefüllte Einkaufstüte mit mir herum. An einer Eis-Bar sehe ich eine junge Frau stehen: Sie kommt mir bekannt vor – und ich finde sie attraktiv: Sie hat ein süßes Gesicht und ein Piercing in der Oberlippe. Sie bemerkt mich nicht, denn sie unterhält sich mit einer anderen Frau. Ich überlege, woher ich sie kenne; es will mir nicht einfallen. Ich würde sie gern ansprechen, aber ich kann nicht. Bin zu feige. Geh nach Hause.
Später weiß ich endlich, woher ich die Frau kenne! Sie arbeitet im Cooper’s, bedient dort die Leute, bringt ihnen Bier und Baguettes. Ich überlege mir, wie wenig originell es wäre, sie dort anzusprechen; ich wäre als Gast da und würde ihr sagen, was ich empfinde. (Bitte nicht.) Ich gehe davon aus, dass es dutzende Männer sind, die in einer regulären Schicht ihr Herz und ihr Maul öffnen, um der schönen Bedienung zu sagen, wie schön sie eigentlich ist etc. Fürchterlich.
Im hiesigen Irish Pub kaufen die männlichen Gäste den weiblichen Bedienungen oftmals Rosen. Ein kleiner Mann kommt alle halbe Stunde vorbei, geht von Tisch zu Tisch und verkauft die Pflanze für einen Euro. Diese wandern sodann aus den Händen der Bedienungen in ein mit Wasser gefülltes Weizenglas; in diesem befinden sich ein halbes Dutzend Rosen. Ich habe gesehen, wie lieblos sie von den Beschenkten hineingestellt werden.
Diese Zeilen notierte ich am 3. Dezember 2009 in einem anderen Blog und in leicht geänderter Form. Es steht noch aus, ob ich den Text peinlich finde oder in Ordnung. Solange soll er hier als mahnendes Beispiel ausliegen.