Antirauschen.
Ein persönliches Blog

Auf Schritt und Tritt

Die Geißel des schreibenden Stubenhockers ist das Sitzen. Der Rücken wird krumm und die Gelenke werden morsch. Was dagegen tun? Aufstehen und in Bewegung geraten! Eine Woche lang habe ich mir vorgenommen, täglich 10.000 Schritte zu gehen oder zu laufen. Ich hatte am Montag und Dienstag versehentlich diese Marke überschritten und dachte: Die restlichen fünf Tage schaffe ich doch auch noch. Es war allerdings erstaunlich anstrengend, besonders am Sonntag.

Murrend um die Häuser

Zehntausend Schritte sind ganz schön viel, das ist ganz schön weit, nämlich sieben bis neun Kilometer. Diese Distanzen bin ich nie ab Stück gelaufen, ich musste mich mindestens zweimal am Tag aufraffen und eine Rund gehen oder durchs Gestrüpp joggen. Abends saß ich schon fast auf dem Sofa, als mir einfiel, dass noch 2000 Schritte fehlen. Also ging ich – leise murrend – vor die Tür und umrundete die Häuserblöcke, als wäre ich mit meinem unsichtbaren Hund unterwegs. (Der würde Natascha heißen und manchmal schnappen.)

Gut zu Fuß: Mindestens 10.000 Schritte pro Tag ergeben 75.285 Schritte in der Woche.

Am Sonntag bin ich losgerannt und durch den Stadtwald gejoggt. Ich wollte in kurzer Zeit möglichst viele Schritte sammeln. Nur kommt Google Fit mit dem Laufen nicht so gut klar – am Ende der Tour hatte ich erstaunlich wenig Schritte auf dem Tacho. Oder die App ist so klug und zählt beim Laufen größere Schritte1. Ich nehme an, dass beim normalen Gehen die Schrittlänge kürzer ist als beim Laufen. (Usw.) Jedenfalls flanierte ich dann auch am Sonntagabend meine «sinnlose Runde» durch den Stadtteil, um die fehlenden Schritte abzulatschen. Es war kalt, weil der Wind von vorne wehte. Es war dunkel und vor allem langweilig. Hätte ich doch einen echten Hund, mit dem ich über Luhmanns Systemtheorie quatschen könnte.

  1. Genau genommen liest die App ja nur den Bewegungssensor im Handy aus und interpretiert die erfassten Daten. Wahrscheinlich ist das sogar ziemlich genau (und ich hätte einfach eine Extrarunde joggen müssen).

Alles nur ausgedacht

Die täglichen 10.000 Schritte sind übrigens Quatsch und basieren keineswegs auf wissenschaftlichen Studien. Die willkürliche Zahl stammt aus der Werbung, alles nur ausgedachtes Marketing. Es würden wohl auch 7500 Schritte am Tag ausreichen, sagen einige Studien. Andere gehen davon aus, dass 10.000 sogar zu wenig sind. Nichts genaues weiß man nicht. Ich jedenfalls habe mein Tagesziel erst einmal reduziert, auf 7500, damit ich motiviert bleibe, mich täglich zu bewegen.

Flitterwochen am Tegernsee

Der Fahrer ist völlig wahnsinnig und lebensmüde. Rasant steuert er den Linienbus durch den Ort, pest dann über die Landstraße. Eigentlich gilt hier 80, aber er fährt 320. Wie im Videospiel, wie bei GTA. Nebenbei telefoniert er mit Mama, hört Musik, lernt Vokabeln, raucht Pfeife. In Bad Wiessee fährt er an einer Haltestelle vorbei, eine Frau regt sich sofort und lautstark auf: «Hallo? Ich will hier raus!» Der Fahrer raunt: «Warte doch!». Bringt das schwerfällige Fahrzeug abrupt zum Stehen. Der Bus steht jetzt schräg hinter der Haltestelle, halb auf der Straße, einigermaßen im Weg. Die Türen gehen zischend auf, die Frau hüpft hinaus. Jemand hupt. Alltag hier draußen.

Die Busse am Tegernsee fahren selten, manchmal nur stündlich, dann aber gleich zwei hintereinander. Wieso die Buslinien vier Ziffern haben, bleibt mir ein Rätsel. Es gibt nur zwei, drei Linien – und eben keine 9000. Egal, der 9559 braust davon und wir stehen im Regen. Unser Ziel an diesem Tag: das Mangfallblau, ein ultraschickes Fabrikrestaurant in Gmund. Dort gibt es hübsch angerichtete Speisen, die sehr gut schmecken. (Ansonsten dominiert am Tegernsee die deftige Küche. Würste, Braten, Käse – so etwas.)

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In Berlin

Ein Wochenende in Berlin: bestes Wetter, viel Sonne, angenehme Temperaturen. Hier drei Dinge, die mich außerdem begeistert haben.

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In Hamburg

Schon erstaunlich, wie schnell die Fahrt nach Hamburg ging: Hab kaum einen Artikel in der Zeit gelesen, schon erreichte der ICE die Hansestadt. Ich schaute aber auch lange aus dem Fenster, verplemperte also Zeit anstatt sie zu lesen. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts. Wir schwammen durchs Gewusel und gelangten ans Licht. Bestes Wetter, herrlich warm – Hamburg zeigte sich von seiner schönsten Seite, nur die vielen Baukräne störten das Bild.

Koffein im Blanco Coffee

Freitag, der letzte Julitag. Uns blieben zwei Stunden, um durch St. Georg zu streifen und die Lange Reihe entlang zu flanieren. Späte Kaffeepause im «Blanco Coffee» (Instagram), mit Glück einen Tisch ergattert, direkt an der Straße. Busse brummten vorbei und Autos und schrille Vespas. Die Sonne schien immer schöner, warmes Licht flutete die Stadt. Hamburg im Sommer habe ich noch nie erlebt, sonst immer nur Kälte und Dunkelheit und Regen. Ich aß einen köstlichen Cheesecake (5 Sterne) und schlürfte Flat White (4 Sterne). Die Frau am Nebentisch lauschte unserem Gespräch, obwohl es gar nicht spannend war.

Radfahrer rauschten vorbei, Kleider flatterten im Fahrtwind. Menschen genossen die Leichtigkeit, das Wetter, ihren Feierabend. Gelöste Stimmung überall, verliebte Paare, gestresste Eltern. Ein Spitz schnupperte den Beton ab, ein anderer Hund bat Fremde um fressbare Spenden. Jemand rauchte, jemand hustete. In solchen Momenten fällt es mir leicht, mich in ein Leben in Hamburg zu fantasieren. («Hannover ist auch schön», muss ich dann wie ein Mantra wiederholen, «Hannover ist auch schön.»)

Dry Ramen bei Momo

Freunde versprachen uns das beste Ramen der Stadt, das sollte es in der Schanze geben. Also gingen wir am Abend zu «Momo» (Website) in der Margaretenstraße. Ein gemütlicher Ort, geschmackvoll eingerichtet und erstaunlich groß. Die Toiletten waren mit japanischem Zeitungspapier tapeziert – viel besser als Raufaser! In der Karte entdeckten wir etwas, das sich «Dry Ramen» nannte: Ramen ohne Brühe – perfekt für den Sommer, fanden wir, und bestellten. Ich entschied mich für Abura Soba mit Hühnchen und Onsen-Ei (5 Sterne). Als Vorspeise: Edamame mit Meersalz (5 Sterne) und Kimchi (4 Sterne). Alles lecker, lecker! Leider waren wir dann zu satt, um ein Matcha-Eis nachzuschieben. Beim nächsten Mal!

Wein im Vineyard

Samstagabend, wir sind hungrig von einer Waldwanderung. Von Wein habe ich keine Ahnung, obwohl ich vor einer Weile an einem Winzerabend teilgenommen hatte. Das erlernte Wissen war jedoch flüchtig, eine Auffrischung ist nötig. Glücklicherweise wussten die Angestellten im «Vineyard» (Website) bestens Bescheid: Auf Empfehlung tranken wir zwei Weißweine, der erste trocken und trüb (4 Sterne), der zweite süß und fruchtig (4 Sterne). Passend dazu vernaschten wir Bruchschokolade (3 Sterne).

Alles ein bisschen teuer, aber schmackhaft, zum Beispiel der Brotteller mit Antipasti und Ziegenfrischkäse (5 Sterne) oder die Flammkuchen mit Chutney und noch mehr Ziegenkäse (4 Sterne). Das Vineyard ist hauptsächlich ein Fachgeschäft, das eine riesige Auswahl bietet. Meine Güte, so viele Weine, so viele Geschmacksrichtungen – so viel zu erkunden. Doch so wenig Zeit: Schon war wieder Sonntag, Tag der Abreise. Mit dem Bus zum Dammtor, mit dem ICE nach Hannover. Da ist es auch schön, ja, aber eben nicht ganz so schön wie in der Hansestadt.