Nachdem mein Debut III von Pro-Ject eine Weile im Karton herumgestanden hatte, schloss ich den Plattenspieler endlich an meinen Sonos AMP an. Ich benötigte dazu allerdings ein langes Cinch-Kabel, weil ich den Plattenspieler auf das neu erworbene Bücherregal stellen wollte. Also: Ich musste ihn dorthin stellen, weil auf dem TV-Board kein Platz mehr ist, seit wir einen ordentlichen Fernseher besitzen. Der Plattenspieler sieht auf dem Regal auch gut aus und ich kann im Stehen Schallplatten auflegen – ist ja auch besser für den Rücken.
Die Cinch-Kabel, die in meinem Kabelkarton herumlagen, waren allesamt zu kurz, also musste ich ein neues bestellen. Für Hifi-Enthusiasten sind Kabel ein Thema für sich – wer will, kann für ein Cinch-Kabel auch 100 Euro und mehr ausgeben. Ich als Musik-Normalo brauche das nicht: Das sechs Meter lange Kabel von Cordial hat bei Amazon 20 Euro gekostet und war am nächsten Tag da. Ich baute also den Plattenspieler auf, legte «Solar Power» von Lorde auf und ließ den Plattenteller kreisen. Zu hören war jedoch: nichts.
WeiterlesenMallorca ist natürlich mehr als nur Ballermann – allein in Palma gibt es schöne Buchläden, gemütliche Cafés und fancy Restaurants.
Meine Frau und ich waren vor einer Weile auf Mallorca und haben dort im Hotel Canavall genächtigt. Das kann ich sehr empfehlen, der Frühstücksraum war gemütlich und das Zimmer recht groß (auf zwei Ebenen). Es folgen nun weitere Tipps für Palma, in aller Kürze, damit ich sie nicht vergesse.
Auf Reisen besuche ich stets Buchläden, auch wenn ich die Sprache der Bücher gar nicht lesen kann. Toll fand ich La Biblioteca de Babel, dort gab es zwar nur wenige englischsprachige Bücher. Doch man kann dort einfach einen Kaffee trinken und herumsitzen, zum Beispiel draußen auf der kleinen Holzterrasse.
Mittagessen im coolen Café Riutort, dort auch einen Flat White schlürfen. Hipster werden es lieben. Nette Menschen dort, das Café fühlte sich «authentisch» an. Ich mochte die entspannte Atmosphäre. Oder einen Kaffee trinken bei Mama Carmen: Sie hat auch Kekse und Brownies.
Einen Besuch wert ist außerdem die Kaffeerösterei Mistral: Die haben in ihrem Coffee House auch Avocado-Brote und erfrischende Limos. Wir saßen draußen in der Sonne, unter dem Sonnenschirm, es regnete kurz – dann war wieder alles hell und schön. Trubel um uns herum, das Leben der Stadt. People watching macht hier auch viel Spaß.
Abendessen dann im L’ambigú einnehmen – oder fancy im Restaurant Botanic. Ersteres serviert Soulfood, letzteres macht Grünes sexy. Tolle Stimmung im Garten. Und das Essen war hervorragend.
Es ist schon spät, wir haben Hunger. Doch jetzt noch kochen? Auf keinen Fall. Wir haben Lust auf Quesadillas, die soll uns jemand bringen. Also geschwind bei Lieferando bestellt – eine Stunde Wartezeit. Es ist Sonntag, die Leute sitzen zu Hause, schauen Blödsinn auf Netflix. Alle haben Hunger. Die Zeit vergeht, dann endlich: Der Fahrer sei wohl unterwegs. Das Live-Tracking zeigt, wie er durch die Stadt fährt. Er ist in unserer Nachbarschaft, er ist in unserer Straße.
Wie ein alter Opa, der Kinder beschimpfen will, trete ich auf den Balkon (der zur Straße geht) und gaffe. Schaue. Gucke. Will dem Fahrer winken. Aber da ist: niemand. Komisch. Das Live-Tracking behauptet, er stünde direkt vor unserem Haus. Dann springt die Anzeige um: «A. hat deine Bestellung geliefert.» Die Frage ist nur: Wem hat er die Quesadillas geliefert? Uns jedenfalls nicht. Aber wir sind doch hungrig, so hungrig.
Was wir nicht essen: Quesadillas
Es ist fast 22 Uhr, als ich unten auf der Straße stehe und verzweifelt nachschaue. Nicht, dass der Fahrer irgendwo herumliegt. Angefahren, hingefallen, was weiß ich? Aber hier ist weiterhin: niemand. Der Wind weht, es ist milder geworden, 7 Grad Celsius. Bald ist endlich Frühling, ich freue mich.
Später sitzen wir auf dem Sofa und essen Joghurt und Äpfel und Bananen. Was wir nicht essen: Quesadillas.
In der Nacht wache ich verwirrt auf und denke: Der Fahrer kommt gleich. Aber er kommt nicht, er kommt nie. Lieferando-Fahrer A. ist verschwunden, er ist durch ein Wurmloch in das Jahr 3023 gerauscht. Dort lebt er jetzt. Glücklich, satt und zufrieden.
«Das ist ein sehr schöner Einkauf», kommentiert die junge Frau hinter mir. «Stimmt», bestätigt ihre Freundin, «so möchte ich später auch einkaufen!»
Ich stehe bei Rewe an der Kasse, hinter mir stehen die drei Frauen, die womöglich Marketing studieren. Ich fühle mich alt, so im Vergleich, aber auch sehr erwachsen, denn auf dem Warenband liegen tatsächlich ganz ordentliche Dinge: viel Bio-Kram und Nüsse und Joghurt. «Aber auch Nutella», gestehe ich und zeige das 1000-Gramm-Glas vor, das natürlich ganz vorn steht, weil es nach ganz unten in den Rucksack soll. So sortiere ich die Waren stets: Schwere Sachen kommen nach vorn, leichte nach hinten. Logisch. «Payback-Karte dabei?», mischt sich die Kassiererin ein, die vielleicht auch studiert. «Nein», sage ich.
Die Frauen sind noch nicht fertig mit meinem Einkauf: Der Landliebe-Pudding schmecke sehr lecker, Schoko sei aber am besten. Stimmt, aber ich habe mich ein wenig überfressen, erkläre ich, deswegen jetzt lieber Vanille. «Hatte ich auch mal», sagt die Frau. Sie lachen.
Er kauft Oatly, aber auch Kuhmilch!
Ich habe keine Ahnung, ob die das alles ironisch meinen; ob die sich hart über mich lustig machen. «Aber komisch», ruft die eine, «er kauft Oatly, aber auch Kuhmilch!» Darüber habe sie sich auch schon gewundert, ergänzt die andere. Ich kläre gern auf, obwohl es niemanden etwas angeht: «Die Oatly ist für meine Frau, die Kuhmilch für mich.» Aha, so ist das also. «Wirklich ein schöner Einkauf!»
Manchmal ist dieses Gefühl stark: Ich schiebe Symbole auf dem Bildschirm hin und her – aber das ist völlig sinnlos.
Die Durchsagen klingen seltsam, der Mann spricht in Zeitlupe. Er klingt wie ein leierndes Tonband. Der Schaffner. Der Zugführer. Oder doch der Lokführer? Er sagt durch, was kommt, er informiert über die aktuelle Verspätung dieses Zuges: acht Minuten. Dann sagt er, dass es in Wagen 10 ab sofort Kaffee gibt. Ich horche auf und mache mich auf den Weg, bahne mir den Weg durch Wagen 8 und Wagen 9. Links Menschen, rechts Menschen, im Gang: Menschen. Beine im Weg, Taschen im Weg, Kinder im Weg. «Danke», sage ich mehrmals und laufe weiter wie durch feuchten Sand.
Ich suche das Bordbistro, wo ich den Kaffee vermute. Es gibt nur kein Bordbistro, stand auch in der DB-App, dieser Zug fährt ohne. Ich stehe nun quasi vorn beim Lokführer, also fast, nur die erste Klasse trennt mich vom glühenden Kessel, in den der Lokführer die Kohle schaufelt. Ich drehe um. Bin traurig. Dann sehe ich einen Mann herumstehen, Typ onkeliger Triebtäter, der Bargeld in ein Abteil reicht. Ach, so ist das, verstehe ich, denn in dem Abteil sitzt eine Frau, die Kaffee aus einem Kaffeespender verkauft, so einer großen Thermoskanne. Vielleicht ein illegales Geschäft!
WeiterlesenWir sind auf Sylt – ohne Auto. Wir nehmen also den Bus, um die Insel zu erkunden. Fürs Fahrrad ist es zu kalt, haben wir beschlossen. Glücklicherweise wohnen wir in der Nähe des ZOB in Westerland, von dort fahren die Busse an alle Enden der Insel.
Eine Fahrt nach Rantum dauert 11 Minuten und kostet 2,95 Euro pro Person, nach Kampen kostet es ebenso viel. Tagestickets gibt es auch, aber dann nur für sämtliche Zonen, die kosten knapp 11 Euro pro Person. Erstaunlicherweise gibt es auf Sylt zehn Zonen: Westerland befindet sich in Zone 4, List in Zone 1, Hörnum in Zone 7, Morsum in Zone 10. Hinzu kommen die Stadtbuslinien A, B und C, die ausschließlich in Westerland und Tinnum unterwegs sind.
Rüdiger kann leider nicht schweigen
Heute fahren wir nach Kampen: Im Bus sitzen Schülerinnen und Schüler, da sitzen auch noch ein paar Rentner und da steht ein Mann in neuwertiger Kleidung herum. Es steigen ein: Sabine und ihr Ehemann Martin sowie ihr gemeinsamer Freund Rüdiger, dessen Frau vor einem Jahr verpufft ist. Sie fahren sonst niemals Bus, deshalb ist diese Fahrt aufregend.
Sie stehen mitten im Weg und versperren den Ausstieg. Rüdiger knallt mir seinen Rucksack in die Fresse. Sie reden wirres Zeug, kommentieren jedes Gestrüpp. Normalerweise sind Busfahrten meditativ. Nicht diese. Ich schaue voller Abscheu aus dem Fenster und lausche dem Brummen des Motors. Draußen rauscht die Welt vorbei, drinnen würde eine angenehme Stille herrschen. Menschen würden friedlich dösen. Doch Rüdiger kann seine Fresse nicht halten.
Rüdiger kann die Fresse nicht halten
Endlich findet er einen Sitzplatz: Rüdiger setzt sich. Wir steigen aus, der Bus fährt weiter, endlich herrscht Ruhe. Niemand da, es ist Januar. Dann geht eine Kreissäge an, weil Männer die Häuser herrichten für den Frühling und Sommer, wenn die Massen wieder auf die Insel strömen. Wir gehen zum Strand, es ist herrlich dort.
Stets enttäuschend ist ein Cappuccino aus dem Kaffeevollautomaten. Was zu Hause vielleicht noch in Ordnung geht, ist im Restaurant und vor allem im Café eine traurige Kapitulation: Sie versuchen es gar nicht erst; sie machen es sich gleich leicht und minimieren jedes Risiko. Es muss nur jemand auf einen Knopf drücken, den Rest erledigt der Automat. Die Bedienung trägt das seelenlose Kaffeegetränk dann herüber, stellt es vor mich hin: Bitte schön! Zwei braune Punkte im Milchschaum verraten: Hier hat sich niemand an Latte Art versucht.
«Schämen sollten Sie sich!»
Der Cappuccino kostet trotzdem 4,50 Euro. Und er schmeckt langweilig, gewöhnlich, banal. Die Kaffeebohnen sind generische Industrieware, verbrannt und verkohlt. In dem Café, in dem ich sitze, sind die Bohnen sogar schon gemahlen gewesen. Ich konnte dabei zuschauen, wie die Café-Mitarbeiterin das Kaffeepulver aus der Packung in die Maschine kippte. Bohnengeklacker war nicht zu hören. Ein Café, das sich nicht die Mühe macht, guten Kaffee mit einem Siebträger zu kredenzen, erfährt meine Missbilligung. «Schämen sollten Sie sich!», könnte ich rufen, aber ich denke es nur, die Kritik bleibt ungehört (und steht nun hier).
Das Café befindet sich in bester Lage in Westerland, auf Sylt. Alles ist teuer, der Kaffee also auch, und dann ist es langweiliger Standard aus dieser langweiligen Mistmaschine. Ich erkenne sie wieder: Der gleiche Vollautomat stand auch im Hotel in Hamburg am Frühstücksbuffet, und ich musste diesen Automaten selbst bedienen, also auf einem Touchscreen auswählen, ob ich einen Cappu wollte oder doch einen Latte M. Ich nahm Letzteren und ballerte einen zweiten Espresso rein. Morgens muss der Kaffee kein Gourmet-Kaffee sein, seine Hauptaufgabe ist, mich ins Leben zu kicken, mich wach zu machen. (Der Filterkaffee im Hotel war übrigens ungenießbar.)
Nachmittags aber geht es um den Genuss, dann freue ich mich über einen ausgezeichneten Flat White oder Cappuccino. Den bekam ich vorgestern in der Sturmhaube in Kampen. Auf dem Parkplatz parkten Porsches, im Restaurant kostete das eine Gericht mit Rindfleisch fast 50 Euro; I shit you not. (Ich nahm aber die Currywurst für 17,50 Euro.) Zum Nachtisch bestellte ich also einen Cappu – und der war wirklich lecker, der war köstlich, der war eine Wohltat. Denn hier machten sie sich die Mühe und bedienten die dampfende Höllenmaschine, die druckvoll Wasser durch die frisch gemahlenen Kaffeebohnen drückte, stieß, presste. So muss es doch sein – so ist es leider nicht immer, vor allem nicht in Deutschland.
Demnächst müssen wir uns um ein neues Formular kümmern: das Elterngeldformular. Neuerdings kommt ein bundeseinheitliches Formular zum Einsatz, es ist wohl 24 Seiten lang, schreibt die HAZ. In Hannover, wo ich lebe, «dauert es nach Angaben der Stadt knapp zwölf Wochen, bis ein Antrag bearbeitet ist», schreibt die Zeitung weiter. Und soweit ich es verstanden habe, kann man das Formular auch erst einreichen, wenn Kind und Geburtsurkunde existieren. Warum dauert der Prozess so lange? Auch, weil 85 Prozent der eingereichten Anträge «falsch oder unvollständig» seien.
Mich selbst plagt eine grausame Abscheu gegen Formulare. Trotz Abitur und Studium (aber nur Bachelor, LOL) muss ich mich beim Ausfüllen stark konzentrieren – und mache dann doch vieles falsch. Früher, als man an Bord des Flugzeugs diesen grünen Zettel ausfüllen musste, um die USA zu reisen, habe ich mir immer gleich zwei Exemplare geben lassen. Ich wusste: Das vergeige ich ohnehin. Und oft genug war es so. («Sind Sie Terrorist?» – «Ja.» Ups!)
Als ich mich vor einigen Jahren selbstständig gemacht habe, war die größte und grausamste Herausforderung dieses seltsame Formular fürs Finanzamt, das «Formular zur steuerlichen Erfassung». Ich öffnete das Dokument und dachte kurz und völlig naiv: Nice, nur eine Seite! Natürlich folgten noch Millionen weitere Seiten und Unterseiten und Anhänge. (Ich übertreibe. Vielleicht.) Mein Elster-Zugang war zu diesem Zeitpunkt noch nicht freigeschaltet, deshalb musste ich ein PDF ausfüllen, ausdrucken und es per Post ans Finanzamt schicken. Als ich schließlich Zugang zu Elster erhielt, war ich sozusagen glücklich: Das Portal ist erstaunlich gut gemacht und es erklärt, was zu tun ist.
WeiterlesenEs ist das dritte Pandemiejahr, die Maskenpflicht in Fernzügen wird demnächst fallen. Doch noch gilt sie. Im ICE nach Hamburg sitzt nun also ein Mann ohne Maske. Als der Zugbegleiter ihn auffordert, eine aufzusetzen, säuselt er: «Nein, ich verzichte.» – «Dann endet für Sie die Fahrt in Celle.» Die Drohung nimmt der Mann schweigend entgegen. Er wirkt geradezu gelangweilt. Ist das alles ein seltsamer Trick, um außerplanmäßig in Celle rausgelassen zu werden? («Ich nehme immer den ICE, ziehe meine Show ab, und die lassen mich in Celle raus. Dann mit dem Rad vom Bahnhof nach Hause.» So in etwa?)
Der Zugbegleiter verschwindet, wenig später erfolgt eine Durchsage und die Frage, ob ein Polizist an Bord sei, um Amtshilfe zu leisten. Der Mann ohne Maske schaut entspannt aufs Smartphone. Ein anderer Zugbegleiter kommt vorbei, bleibt irritiert stehen: «Bitte setzen Sie eine Maske auf.» – «Ihr Kollege kümmert sich schon», erklärt der Mann. Schaut weiterhin aufs Smartphone. Alles Routine.
Auch wenn’s vielleicht bescheuert ist
Dann taucht tatsächlich ein Beamter auf, ein junger Polizist in Uniform. Er baut sich auf, beugt sich herab, wie zu einem ungezogenen Jungen, der gerade die Tapete angemalt hat. «Wir können uns jetzt den Stress sparen – und Sie setzen einfach eine Maske auf. Auch wenn es vielleicht bescheuert ist.» Der Mann ohne Maske seufzt und fummelt in Zeitlupe eine Maske aus seinem Rucksack, setzt sie auf. Wir halten nicht in Celle. The End.