Der Tod kostet 19 Cent

Das nackte Brötchen fällt der Mutter aus der Hand und fällt direkt auf den Boden, wo es entlang kullert, ehe es umfällt und liegen bleibt. Das nackte Brötchen liegt auf dem Boden der U-Bahn-Station, nicht irgendeiner U-Bahn-Station, sondern dem Knotenpunkt Hannovers. Die Mutter hebt es auf und ich erschrecke: Will sie das noch essen? Selbstmord wäre das, nicht einmal in die Hand genommen hätte ich das verseuchte Kleingebäck. Und sie will das essen?

Nein, das Kind soll, es ist sein Brötchen. Das Kind aber schüttelt den Kopf.

«Du isst das jetzt!»

«Nein», insistiert das Kind, dessen rechtes Brillenglas zugeklebt ist.

«Das [Brötchen] hat doch Geld gekostet.»

«Na und?», sagt das Kind, dem das natürlich völlig egal sein kann.

Die Mutter gibt auf, hat erkannt, dass der Junge lieber sein Weingummi essen will. Kann man dem Jungen nicht verübeln: Das Brötchen ist kontaminiert, ist eine Gefahr für Leib und Leben, ist das reinste Biogift.

Hier unten in der U-Bahn riecht’s nach Pisse. Und das liegt daran, dass Obdachlose in die Ecken und Kanten urinieren, Besoffene und Punks mit Bierblasen, die sich einen Dreck darum scheren, was andere über sie denken. Andererseits sollen Kinder ja im Drecken spielen. Und den auch mal essen, damit das Immunsystem gestärkt ist, damit Allergien ausbleiben. Andererseits isst die Frau jetzt das Brötchen. Hat ja Geld gekostet.