Nebenan sind gerade Besichtigungen, Leute schauen sich eine Wohnung an: Erstbezug nach Sanierung, 4 Zimmer, 115 Quadratmeter für 1900 Euro (kalt). Viele junge Paare tauchen auf, einige sehen wohlhabend aus. Ordentlich. Adrett. Wie CDU-Leute, die bei der Jungen Union ihre politische Karriere begonnen haben. Die Tillmann heißen, also die Herren; die Frauen heißen Theresa. Und sie lachen unangenehm aufgesetzt. Sie schauen sich also die Wohnung an und irgendwer von diesen Leuten wird da einziehen. Um eine Küche müssen sie sich immerhin nicht kümmern, die ist in der Miete enthalten, die steht bereits in der Wohnung.
Ich öffne mein Portemonnaie und finde eine Million
Spaßeshalber mal im Internet schauen, was eine Eigentumswohnung im Kiez kostet: 700.000 Euro für 115 Quadratmeter. Ich öffne mein Portemonnaie und finde eine Million, zahle bar, bin Wohnungsbesitzer – ist doch ein Schnäppchen! Früher haben Wohnungen dieser Größe irgendwas um Hundert Mark gekostet und man bekam als Dank noch einen Opel Kapitän dazu. Heute liegen wir ratlos auf dem Sofa und fragen uns, wer das ohne Erbe bezahlen soll.
Mag sein, dass es Leute gibt, die das können; es muss solche Leute geben, die aus besserem Hause stammen. Die ihre Eltern stets siezen: Werte Mutter, werter Herr Vater! Die ihre Kindheit in Stadtvillen verlebt haben, drüben im Westflügel. Die Welt ist eben unfair, was soll‘? Ich steige in eine Rakete, fliege weit raus in den Weltraum und betrachte unseren blöden Planeten. Dann fällt mir wieder ein, dass ohnehin alles vollkommen egal ist, denn die Sonne wird uns, wenn sie ein wütender roter Riese ist, brutal verschlingen. Und dann ist das nichts mehr.