Warentrenner auf Warentransportband

Heute stehe ich in der Schlange an Kasse #1. Der Mann hinter mir (Handwerker im Blaumann) streckt seinen Arm aus, streckt seinen gesamten Körper, bis er endlich lang genug ist und seine Finger den Warentrenner erreichen, der in seiner Schiene ruht. Eigentlich hätte ich den Stab hinter meinen Waren platzieren müssen, doch ich unterließ dies, weil mir nach ein bisschen Anarchie war. Damit missachtete ich die ungeschriebene Regel, dass Waren auf dem Warentransportband dringend durch den Warentrenner abzutrennen sind. Die Frau vor mir (Businessfrau mit Markenbrille) tat dies gewissenhaft und positionierte den Trenner in perfekter Vollendung auf dem Transportband.

Der Mann hinter mir schnauft sauer und schmeißt den mühsam ergatterten Warentrenner aufs Band. Der Stab liegt nun jedoch ziemlich schräg da, was viel schlimmer ist, als würde er dort gar nicht liegen – finde ich. Traue mich aber nicht, die Lage des Trenners zu korrigieren. Das ist nicht meine Aufgabe.

Der Handwerker steht viel zu dicht hinter mir. Auch so eine Sache, die ich an Supermärkten hasse. Ich schaue angestrengt nach vorn: Dort legt die Frau ihre Karte elegant ans Terminal, es piept, der Bezahlvorgang ist abgeschlossen. Ich bewundere dies und frage mich, ob meine Sparkassen-Karte das auch kann. Während ich mir Fälle vorstelle, in denen diese Art des kontaktlosen Bezahlens mein Leben bereichern würde, hat der Kassierer mit den flinken Fingern meine Waren bereits gescannt.

«5 Euro 35», sagt er, absurd aufrecht in seinem Warenzellenkassenstand sitzend.

Ich gebe ihm einen Zehner, den ich aus meinem Portemonnaie klaube. Ich muss erst herausfinden, ob das kontaktlose Bezahlen sofort möglich ist, oder ob ich erst in eine Sparkassen-Filiale laufen muss, um irgendwelche Formulare einzureichen. Es jetzt an Ort und Stelle einfach zu testen, traue ich mich nicht: In diesem Supermarkt haben es alle Kunden immer sehr eilig und jeder hasst die ältere Dame, die die fällige Summe Cent-genau mit vielen braunen Münzen begleicht und dafür ihr gesamtes Kleingeldfach umpflügt. Undenkbar, dass ich den Bezahlprozess aufhalte, weil das Terminal laut piept und meine Karte abweist!

Der Kassierer fragt mich pflichtbewusst, ob ich eine Payback-Karte habe, was ich verneine, dann überreicht er mir ein paar Münzen, die ich in meinem Kleingeldfach verstaue. Dann will –

«Ein Kasten Oetinger!», ruft plötzlich der Mann hinter mir, etwas zu laut, etwas zu aggressiv. Als habe ihm jemand unterstellt, einen Kasten stilles Wasser im Wagen stehen zu haben. Als müsse er diese freche Unterstellung nun lautstark korrigieren: Hier wird Bier getrunken, wie es echte Männer zu tun pflegen. (Er würde dann noch rülpsen, um uns zu beeindrucken und einzuschüchtern.)

Der Biertrinker drängt mich zur Seite, ich suche das Weite. Das Bezahlen in deutschen Supermärkten gehört zu den schlimmsten Situationen, die der Alltag an Werktagen bereit hält. Allein die Vorstellung, ein echtes Gespräch mit dem Kassierer zu beginnen – völlig absurd.