Scherben bringen um

Vor dem Supermarkt. Jemand, der gern Bier trinkt, hat einige leere Flaschen fallen lassen. Der Verlust wäre zu verschmerzen: Es sind vielleicht fünf von einem Dutzenden Flaschen, die jetzt zerbrochen auf dem Gehweg liegen. Doch für jemanden, der den Pfennig ehrt, sind die vierzig Cent Pfand viel Wert. Deshalb gibt’s ein ziemliches Gezeter, der Flaschenbesitzer keift und beschimpft sich selbst und alle anderen.

Zur Hilfe ist eine Kassiererin geeilt. Die hat einen Besen dabei und sagt: «Das kann ja mal passieren.»

Der Flaschenmörder ist trotzdem außer sich. Zur Unterstützung pöbelt noch ein anderer Mann von rechts. Er sitzt neben dem Eingang des Supermarkts und bettelt normalerweise. Jetzt schimpft er, dann hustet er, dann würgt er und dann spuckt er einen großen Klumpen Schleim auf den Gehweg. Das kam dann doch überraschend. Mir wird etwas übel, das hat bisher noch keiner geschafft – und in der Gegend laufen wirklich ekelhafte Freaks umher, die überall hinpissen und torkeln und stinken.

Würde dieser Mann jetzt qualvoll ersticken, ich würde eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung in Kauf nehmen. Scheiß drauf. Der Kerl ist dürr und tätowiert, ihm fehlen ein paar Zähne. Er kriegt einen Hustenanfall, sein Körper krümmt sich. Ich kann mir das nicht ansehen und gehe lieber der Sonne entgegen, durch biergetränkte Glasscherben ins Glück.