Mit den Scherenhänden

Zehn Euro für eine Schere ist ganz schon viel, finde ich, der sich aus Versehen mal eine Schere für Linksschneider gekauft hat. Mein Friseur sagt, seine Schere habe fast tausend Euro (sic) gekostet, genauer: neunhundertsiebzig Euro. Die zweitbeste Schere, die es zu kaufen gibt, die kommt aus Japan.

Das Samuraischwert der Barbiere.

Ich stelle mir vor, wie mein Friseur nach Japan reiste, mit Rucksack und so Sandalen. Den Berg rauf, durchs Gebüsch, um dann mit blutigen Füßen anzukommen. Ein Mann mit langem Bart erwartet den Friseur. «Nimm Platz, vielleicht Sake?»

«Danke.»

Sie säßen beisammen, schaut auf die Landschaft. Japan ist schön, ja, und das Wetter spielt auch mit.

«So, also», sagt der Mann mit langem Bart irgendwann. «Eine Schere willst du.»

«Jawohl», bestätigt mein Friseur.

«Sollst du haben.»

Tage vergehen, er schmiedet die Schere aus weichem Stahl, das dauert, ist das Warten aber wert.

Mein Friseur sagt, dass er nicht nach Japan gereist ist, die Schere gab’s bei Amazon im Fachgeschäft hier in Deutschland. Ich sage, dass ich mir Japan als schönes Land vorstelle. Wir wechseln das Thema, es geht anschließend um Kochsendungen im Fernsehen. Davon habe ich aber keine Ahnung. Wir schweigen.