Vom schweren Sprechen

Dieses Mal hielt mich die Bedienung in einem Café für einen Niederländer. Sie selbst stamme ursprünglich aus Russland, berichtete sie unaufgefordert. Ich wurde ’85 in Hannover geboren und lebe seitdem dort. Dem Klischee nach müsste ich lupenreines Hochdeutsch sprechen, doch das ist offenbar nicht der Fall. Niemand lobte mich jemals wegen meines schönen Deutsches. Nein, immer wollen die Leute, denen ich begegne, irgendeinen (ausländischen) Akzent herausgehört haben. Und wie schön ich dennoch den Genitiv anwende, famos!

Es muss wohl das Alter sein, das meine Aussprache mehr und mehr verwässert. Bald wird man mich gar nicht mehr verstehen und ich werde nicht mehr kommunizieren können. Zumindest nicht in Deutschland. Werde also auswandern müssen, dorthin, wo man das, was aus meinem Mund kommt, verstehen kann. Und wenn es Holland ist.

Oder Italien: Als ich vor Jahren in Rom war, hielt mich eine Frau für einen Italiener. Sie redete fröhlich auf mich ein, ich nickte, gab dann aber zu, kein einziges Wort verstanden zu haben. Scusi. Enttäuscht wandte sich die Frau ab. In der Türkei stand ich mal in einem Teppichgeschäft, wollte nur schauen und keinen Teppich kaufen. Der Verkäufer eilte herbei und beriet mich auf Türkisch. Auch hier gab es nach meiner Beichte, nur Englisch und Deutsch zu können, ein enttäuschtes Gesicht.