Basteln, schlagen und quälen – beim Friseur

Weil der Friseur nicht gut Deutsch und ich gar kein Türkisch konnte, schwiegen wir1, während der Friseur schnippelte. Und weil er sich dann weigerte, die Frisur so zu schneiden, wie ich das wollte, war das mein erster und letzter Besuch bei dem Friseur, der nicht gut Deutsch konnte.

  1. Eigentlich auch mal ganz schön, nicht sabbeln zu müssen, nichts berichten, nichts erklären zu müssen. Stattdessen nur starren und sitzen und warten.

Die Friseurin mutterspricht Deutsch und berichtet von ihren Nachbarn, die seit geraumer Zeit in ihrer Wohnung bohren und hämmern und schleifen. Ein ziemlicher Krach sei das, der nach einem Großprojekt klinge. Die Friseurin spekuliert, dass sich die Nachbarn einen Sex-Dungeon2 bauen. Mit Peitschen, Klemmen, Schaukeln, Haken und Ösen. Ich kenne die Leute nicht, kann also nicht einschätzen, ob diese Einschätzung angemessen ist oder nicht.

  1. Einen Sex-Dungeon muss man wohl selber bauen, wenn man das Hobby weiterhin für sich behalten möchte. Vielen Leuten macht beim BDSM das Tüfteln und Basteln so viel Spaß wie das eigentliche Schlagen und Quälen – zumindest kann ich mir das gut vorstellen. Gleichzeitig muss ich aber zugeben, dass meine handwerklichen Tätigkeiten nicht der Rede wert sind, mir also eine Einschätzung nicht so einfach über die Lippen kommen sollte. Und in meinen Keller passt kein Sex-Dungeon, ja nicht einmal ein Fahrrad.

Beim Gehen bekomme ich ein kleines Heftchen mit meinem ersten Stempel darin. Beim zehnten gibt’s zwei Euro Rabatt. Abgang.