Die Welt ist nicht genug

Sehr geehrte Damen und Herren,

letzten und diesen Sonntag stand ich auf und war maßlos enttäuscht, weil in meiner Zeitungsrolle unterm Briefkasten lediglich die dämliche Gratis-Zeitung steckte – und eben keine Welt am Sonntag. Dabei wollte ich meinen Sonntagmorgen doch gut informiert starten. In meiner Verzweiflung fuhr ich zum hiesigen Kiosk und erstand ersatzweise die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, so auch heute, als ich die letzte Ausgabe erwischte. Kann gut sein, dass der Kiosk nur diese eine Ausgabe vorrätig hält, hier im Ort begnügen sich viele mit der Gratis-Zeitung, solange da die Fußballergebnisse drinstehen.

Und bitte sagen Sie mir jetzt nicht: «Aber Herr Goldberger, Papier schicken wir Ihnen doch gar nicht, Sie haben doch das PDF bestellt!» Ich kann doch nicht sonntags auf dem Sofa mit meinem Laptop liegen und PDFs lesen! Nein, da bin ich altmodisch und knödle lieber mit übergroßem Zeitungspapier herum.

Wie dem auch sei: Hiermit kündige ich mein Probeabonnement. Dies bitte zum nächstmöglichen Zeitpunkt, am liebsten also sofort. Ich möchte ungern dafür bezahlen müssen, ich brauche das Geld ja für die FAS. Bitte senden Sie mir eine Bestätigung zu, irgendwie per Post, die kommt wenigstens an. (Also, erstaunlich oft leider nicht, aber das ist wohl ein anderes Thema.) Danke!

Mit freundlichen Grüßen

Müll im Himmel

Hey N.,

wie du gemerkt hast, ist das mit dem vormittäglichen Schreiben nichts geworden. [Ich hatte N. versprochen, ihr schleunigst auf eine außergewöhnlich lange E-Mail zu antworten. Diese Antwort hatte sich allerdings verzögert, wie sich in meinem Leben einfach alles verzögert.] Wieder einmal sind zillionen Dinge dazwischen gekommen: der Schnee, die Post, das verspätete Mittagessen usw. Jetzt sind schon wieder 24 Stunden vergangen und ich sitze wieder im Bett, den Laptop auf dem Schoß, tippe und denke. Nebenher läuft eine alte Harald-Schmidt-Folge (#1112) bei YouTube. Ich bin jetzt auch nicht so müde wie gestern, was (evtl.) dem Schreibfluss zugute kommen wird.

Vorhin habe ich versucht, diesen Kometen zu entdecken (C/2011 L4) – aber ich habe ihn nicht gefunden. Scheißding. Angeblich soll der ja in der Nähe der Mondsichel zu sehen sein, aber da war nichts, nur Dunkelheit und die üblichen weißen Punkte, die Sterne und Flugzeuge, aber kein Komet, nirgends. Ich habe in meinem Leben erst einen (1) Kometen gesehen (Hale-Bopp, 1995), was eindeutig zu wenig ist. (Ich lasse das unbegründet, habe ich gerade beschlossen.) Ich will außerdem noch mindestens eine totale Sonnenfinsternis sehen – auch hier ist eine zu wenig. Notfalls werde ich um die Welt reisen … Interessiert dich so was? Planeten, Galaxien und der ganze Müll im Himmel? Ich meine, jetzt mal von Astrologie abgesehen, die zählt nicht. (Jeder Astronom weint doch, wenn er mit einem Astrologen verwechselt wird!)

Vielen Dank für deine sehr ausführliche Traumbeschreibung, das war durchaus die längste Mail, die ich jemals erhalten habe. […] Ich habe auch mal eine Vanessa gekannt, in der 5./6. Klasse. Ich war damals auf ihrem Geburtstag und wir schauten in ihrem Keller irgendeinen Film. Mit Filmprojektor! Vanessa hatte ihre Stereoanlage auf dem Boden stehen, direkt auf dem Teppich. Das fand ich komisch, aber auch irgendwie gut, weil extravagant. Meine Oma hat(te) die gleiche Stereoanlage, die sie auf einem Schrank stehen hat(te). Meine Stereoanlage (von SONY) ist tausend Jahre alt und ich kann nicht mal die Balance einstellen oder die Bassstärke. Wenn ich dann irgendeinen lauten Film gucke, donnert das ganz schön durch die Bude … Dann muss ich leiser machen und verstehe den Dialog nicht mehr, also mache ich wieder lauter und Kablämmo!, schon fliegt irgendwas in die Luft und meine Lautsprecher fallen fast um und die Polizei kommt und—

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