Müll im Himmel

Hey N.,

wie du gemerkt hast, ist das mit dem vormittäglichen Schreiben nichts geworden. [Ich hatte N. versprochen, ihr schleunigst auf eine außergewöhnlich lange E-Mail zu antworten. Diese Antwort hatte sich allerdings verzögert, wie sich in meinem Leben einfach alles verzögert.] Wieder einmal sind zillionen Dinge dazwischen gekommen: der Schnee, die Post, das verspätete Mittagessen usw. Jetzt sind schon wieder 24 Stunden vergangen und ich sitze wieder im Bett, den Laptop auf dem Schoß, tippe und denke. Nebenher läuft eine alte Harald-Schmidt-Folge (#1112) bei YouTube. Ich bin jetzt auch nicht so müde wie gestern, was (evtl.) dem Schreibfluss zugute kommen wird.

Vorhin habe ich versucht, diesen Kometen zu entdecken (C/2011 L4) – aber ich habe ihn nicht gefunden. Scheißding. Angeblich soll der ja in der Nähe der Mondsichel zu sehen sein, aber da war nichts, nur Dunkelheit und die üblichen weißen Punkte, die Sterne und Flugzeuge, aber kein Komet, nirgends. Ich habe in meinem Leben erst einen (1) Kometen gesehen (Hale-Bopp, 1995), was eindeutig zu wenig ist. (Ich lasse das unbegründet, habe ich gerade beschlossen.) Ich will außerdem noch mindestens eine totale Sonnenfinsternis sehen – auch hier ist eine zu wenig. Notfalls werde ich um die Welt reisen … Interessiert dich so was? Planeten, Galaxien und der ganze Müll im Himmel? Ich meine, jetzt mal von Astrologie abgesehen, die zählt nicht. (Jeder Astronom weint doch, wenn er mit einem Astrologen verwechselt wird!)

Vielen Dank für deine sehr ausführliche Traumbeschreibung, das war durchaus die längste Mail, die ich jemals erhalten habe. […] Ich habe auch mal eine Vanessa gekannt, in der 5./6. Klasse. Ich war damals auf ihrem Geburtstag und wir schauten in ihrem Keller irgendeinen Film. Mit Filmprojektor! Vanessa hatte ihre Stereoanlage auf dem Boden stehen, direkt auf dem Teppich. Das fand ich komisch, aber auch irgendwie gut, weil extravagant. Meine Oma hat(te) die gleiche Stereoanlage, die sie auf einem Schrank stehen hat(te). Meine Stereoanlage (von SONY) ist tausend Jahre alt und ich kann nicht mal die Balance einstellen oder die Bassstärke. Wenn ich dann irgendeinen lauten Film gucke, donnert das ganz schön durch die Bude … Dann muss ich leiser machen und verstehe den Dialog nicht mehr, also mache ich wieder lauter und Kablämmo!, schon fliegt irgendwas in die Luft und meine Lautsprecher fallen fast um und die Polizei kommt und—

Ich träume oft, dass ich U-Bahn fahre. Oder Zug. Und es herrscht immer ein großes Durcheinander mit den Linien und Nummern. Schon einige Male habe ich in Träumen im falschen Zug gesessen. Oder ich habe ihn ganz verpasst. Und es ist immer nachts und dunkel. Manchmal regnet es. Heute morgen träumte ich, dass ich im Stadion war. Da war ich auch erst einmal, finde aber, das reicht. Kann sich natürlich immer ändern, wer weiß, vielleicht bin ich in fünf/zehn/fünfzehn Jahren jedes Wochenende im Stadion und reise meinem Lieblingsverein hinterher und betreibe eine Fanseite im Internet. Derzeit bezweifle ich das aber. Dabei ist Fußball noch recht zugänglich. Neulich habe ich An jedem verdammen Sonntag (mit Al Pacino) geguckt (Regie: Oliver Stone), darin geht es um American Football – vielleicht kennst du den Film ja. Nebenher habe ich die Spielregeln von Football bei Wikipedia gelesen und nur die Hälfte verstanden, meine Güte, da muss man sich regelrecht einarbeiten, um einigermaßen zu verstehe, was da auf dem Spielfeld abgeht. Fußball ist hingegen recht simpel. Nur das mit dem Abseits ist etwas vielleicht schwierig – aber eigentlich auch nicht.

Würde ich in den USA leben, ich wäre der Baseball-Typ. Als Zuschauer, nicht als Spieler. Was wäre dein Sport? Hockey, NFL? Basketball, NBA? Oder doch Nascar?! Ich habe mal eine Führung in Daytona, FL mitgemacht, da haben sie einem die Nascar-Rennstrecke gezeigt. Die Streckenführung ist denkbar öde: sie beschreibt ein Oval. Ich nehme an, die Zuschauer warten bei den Rennen begierig darauf, dass sich irgendein NasCAR überschlägt und in Flammen aufgeht, Kablämmo! Inferno! Rollende Köpfe! […]

Lieben Gruß