Basteln, schlagen und quälen

Weil der Friseur nicht gut Deutsch und ich kein Türkisch konnte, schwiegen wir, während der Friseur schnippelte. Und weil er sich dann weigerte, die Friseur so zu schneiden, wie ich das wollte, war das mein erster und letzter Besuch bei dem Friseur, der nicht gut Deutsch konnte.

Die dicke Friseurin nicht weit von mir mutterspricht Deutsch und berichtet von ihren Nachbarn, die seit einiger Zeit in ihrer Wohnung bohren und hämmern und schleifen. Ein ziemlicher Krach sei das, der nach einem Großprojekt klingt. Die Friseurin spekuliert, dass sich die Nachbarn einen Sex-Dungeon bauen. Mit Peitschen, Klemmen, Schaukeln, Haken und Ösen. Ich kenne die Leute nicht, kann also nicht einschätzen, ob diese Einschätzung angemessen ist oder nicht.

Einen Sex-Dungeon muss man wohl selber bauen, wenn man das Hobby weiterhin für sich behalten möchte. Vielen Leuten macht beim BDSM das Tüfteln und Basteln so viel Spaß wie das eigentliche Schlagen und Quälen – das zumindest kann ich mir vorstellen. Gleichzeitig muss ich aber zugeben, dass meine handwerklichen Tätigkeiten nicht der Rede wert sind, mir also eine Einschätzung nicht so einfach über die Lippen kommen sollte. Und in meinen Keller passt kein Sex-Dungeon, ja nicht einmal ein Fahrrad.

Beim Gehen kriege ich ein kleines Heftchen mit meinem ersten Stempel. Beim zehnten gibt’s zwei Euro Rabatt.