Fehlinformation

Veröffentlicht am 24. Oktober 2018 in der Kategorie Tagebuch.

Im Halbschlaf in der Realität weilend, auf die Bahn wartend. Die Gedanken sind träge, die Welt existiert zwar, aber das ist mir egal. Die Dinge passieren losgelöst. Die Menschen streunen umher, stehen herum, atmen. Körper. Jacken. Frisuren. Es wäre völlig in Ordnung, wenn jetzt ein Asteroid auf die Erde kracht und alles Leben mit einem Schlag auslöscht. Es wäre. In Ordnung.

Plötzlich starrt mich ein Mann an! Ich schaue ihn auch an. Er ist sehr nah bei mir, zu nah, ich kann seine spröden Leben sehen. Der Fremde fragt mich, ob die gerade ankommende Bahn zum Steintor fährt. Eine schnelle Antwort ist gefragt. Die Systeme fahren hoch, ich denke in Zeitlupe: Die Linie 5 … nun … die fährt wohl zum Steintor, sicherlich, doch, ich glaube. Kann sein. Ja!

Der Fremde gibt sich mit meiner vagen Auskunft zufrieden, hastet zur Bahn und steigt ein. Dann fällt mir ein, dass er in die falsche Richtung fährt. Er bewegt sich weg vom Steintor. Um mich herum sind Menschen, die hätten eingreifen müssen: «Glauben Sie diesem schläfrigen Mann kein Wort!» Egal. Die Existenz ist sinnlos, die Erde ein kleiner Punkt im schwarzen Nichts. Gute Nacht.